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Formula Student – Richter für zwei Tage

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Formula Student 2015Für zwei Tage wechsle ich meine Identität, schlüpfe in die Rolle eines Richters, werde „Judge“ bei der vielleicht ungewöhnlichsten Rennserie der Welt – der Formula Student. Ich fälle am Hockenheimring, wo Schumi 1995 seinen ersten und 2006 seinen letzten Heimsieg in der Formel 1 feierte, mein Urteil über die Business-Pläne rennbegeisterter Nachwuchs-Ingenieure. 110 Equipes aus aller Welt haben sich kürzlich an dieser Kultstätte des Motorsports versammelt. 71 Teams streiten im Rahmen der Formula Student Germany, die Opel als Zentralsponsor fördert, um den besten Monoposto mit Verbrennungsmotor, 39 stellen einen Prototyp mit Elektroantrieb vor.

Formula Student Germany 2015Punkte gibt es in verschiedenen dynamischen Disziplinen wie dem Endurance-Rennen über 22 Kilometer, dem Beschleunigungs-Wettbewerb über 75 Meter oder dem Autocross, bei dem nur eine möglichst schnelle Rundenzeit zählt. Dafür haben die Teams aus Aachen, Aalborg und Akron, genau wie jene der Hochschulen Bangkok, Berlin und Brünn sowie die Studenten aus Seattle, Sevilla und Stralsund ihre Renner perfekt präpariert. Da starten Formel-Flitzer mit professionellen Kohlefaser-Monocoques, großartigem Flügelwerk und kreischenden Motorradmotoren nach dem Vorbild wilder Formel 1-Renner; genauso sausen fast geräuschlos Elektro-Einsitzer mit unfassbar schneller Beschleunigung (0 auf 100 um die drei Sekunden!) über die Piste.

Doch neben den Manövern auf der Strecke findet im Start-und-Ziel-Haus ein Kampf der Gehirne statt. Die Teams müssen nicht nur Rennprototypen vom Feinsten entwickeln und selbst bauen, sie müssen auch einen tragfähigen Business-Plan und ein Vermarktungskonzept für eine Kleinserienfertigung der Fahrzeuge entwickeln. Und genau da komme ich ins Spiel – der Judge.

Formula Student 2015 Formula Student 2015

Die Teams haben zehn Minuten Zeit, ihren Business-Plan vor einer vierköpfigen Jury zu präsentieren. Die Judges sind allesamt Profis aus der Autoindustrie und bewerten die Vorstellung im Stile von Casting-Shows. Wohlgemerkt von Casting-Shows der feineren Sorte, also mehr „Voice of Germany“ denn „Deutschland sucht den Superstar“. Die Studenten sollen mit konstruktiver Kritik auf den Weg zu einer noch schlüssigeren Präsentation gebracht werden. Die drei besten Teams eines jeden Tages battlen sich dann im großen Finale vor einem über 1.000 Köpfe zählenden Publikum.

Formula Student 2015

Am ersten Tag treten die Teams mit Elektro-Rennern vor die Jury. Mit mir bekommen es die Unis Osnabrück, Peking, Delft und Dresden zu tun. Die beiden Presenter aus Südholland treten als vor Selbstbewusstsein strotzende Showmen auf, die ihre Autos für Junggesellen-Abschiede vermieten wollen. Die Chinesen sind so nervös, dass sie ihren Laptop nicht ans Laufen kriegen, und die vortragende Studentin aus Dresden spricht das beste Englisch des Tages – wer hätte das gedacht? Alle Präsentationen laufen in dieser Lingua Franca der Autoindustrie. Am Ende schaffen es Delft und Dresden unter die Top Five – Kompliment!

Am Freitag folgen die „Verbrenner“, also die Teams mit konventionell angetriebenen Autos. Diesmal müssen die Studenten aus Magdeburg, Karlsruhe, Leira in Portugal, Pittsburgh, Pomona/Kalifornien und Graz vor das Richter-Pult. Die Österreicher wollen ihre Rennwagen an Schulen verkaufen, Teens und Twens mit Technik begeistern, sie weiter qualifizieren und auf diesem Weg etwas gegen die Jugendarbeitslosigkeit in Europa tun. Die Karlsruher planen sogar, eigene Rennstrecken für ihre Kunden zu bauen. Der einsame portugiesische Vortragende hat in einwöchiger Arbeit eine 3D-Animation als Flug durch seine künftige Rennwagen-Fabrik am Computer programmiert. Und die US-Boys aus Pittsburgh sind mächtig stolz auf ihr selbst gedrehtes Rennvideo zu den schnellen Riffs von AC/DC.

Ich habe nach all den zumeist leidenschaftlich präsentierten Business-Plänen gelobt und gelacht, getadelt und getröstet. Dabei hat mich die Formula Student in ihren ganz eigenen Bann gezogen. Diese Mischung aus Wettkampf und Woodstock, aus Technik und Talent, aus Konkurrenz und Kameradschaft, aus Idealismus und Ideenreichtum. Gut, dass ich dabei sein konnte. Ich, der Richter für zwei Tage.

Die Opel-Teams in der Formula Student auf einen Blick:

Verbrauchs- und Emissionswerte: Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen neuer Personenkraftwagen können dem ‚Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch und die CO2-Emissionen neuer Personenkraftwagenʻ entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der DAT Deutsche Automobil Treuhand GmbH unentgeltlich erhältlich ist.

Kommentare (13)

    • Alles der Reihe nach – in wenigen Wochen ja bereits IAA und der 5-T um so präsenter*.
      Vielleicht dazu ein ST-Appetizer im nahen Umfeld, was den neuen Laderraum angeht, weitere ST/Caravan-Highlights… !(?)

      *)In Rüss-City schon fast Alltag 😉

      • 5-türer und neuer ST hätten in Frankfurt gleichzeitig präsentiert werden müssen. Dazu sehe ich keine Alternative. Dass man sich diese Plattform entgehen lässt und die wichtigste Karosserievariante des Astra auf einer kleineren Messe vorstellt, ist für mich nicht nachvollziehbar.

        • Jaaa. Denn das ferne Genf oder gar bescheidene Leipzig darauf sind kein Vgl.
          Im sog „Astra-Universum“ des Messestand wenigstens 2 zur Begutachtung und damit besseren Entschluss-Freudigkeit bzgl pot. Vorbestellung darauf.
          Gerade dessen Laderraum-Raffinesse will live erfasst sein von deren kritischen Käuferschaft.
          Wo man von Caravan auf ST einige verprellt hat !

          • Du bist doch näher am Geschehen als manch anderer hier. Wie wäre es, die Opel-Mannschaft mal ein wenig anzukitzeln, damit mal die eine oder andere Information über den ST ans Licht kommt. Der 5-türer ist ja gut und schön, aber ich glaube schon, dass die Stückzahlen über den ST erzielt werden.

  1. Mich würde dann doch mal interessieren, wieso viele Teams auf mächtige Flügel setzen, während andere komplett auf Luftleitwerk verzichten. Für welche Prüfdisziplin ist hoher Abtrieb sinnvoll oder gar erforderlich?

    • Das sollte dir doch klar sein oder?
      Die aerodinamik spielt bei den schmalen und leistungsstarken Elektromotor eine große Rolle. Zudem ist die Gewichtsklasse sehr gering, das führt dazu das der wagen weniger grip auf die Straße hat und sehr schnell ins Schleudern kommt. Dann ist die gewichtsverteilung entscheidend, die einen besseren Schwerpunkt vorrausetzt.
      Die frittentheke ist somit gerechtfertigt, weil die die Beschleunigung auf 0-100 in etwa 3sek zustatten geht und die endgeschwindigkeit auf 225km/gedrosselt ist.
      Das Gewicht bei der Formulare e liegt bei Ca 800kg, bei den von Opel sollten es um die 600kg sein.
      Welche Kräfte da wirken, kann sich jeder selbst denken.

        • @Reinivann: Die Fakten stimmen soweit! Was bei der Diskussion laut unserem Style-Judge Thilo Oppermann vor allem wichtig ist sind die Drehmomente: Hier liegen die E-Fahrzeuge bei ca. 700 – 1000 Nm. Durch das verhältnismäßig geringe Gewicht kommt es beim Beschleunigungstest (eine der 4 dynamischen Disziplinen) daher vor allem auf eine gute Balance zwischen Gewichtsverteilung (meistens 40% vorn : 60% hinten), Reifen und vor allem Anti-Schlupfregelung an.

          Zudem ist es auch möglich mit einem AWD an den Start zu gehen, nicht nur mit reinem Hecktriebler. Was bei der Beschleunigung sicher keiner braucht sind die Heckflügel, daher kommt mehr und mehr eine Art „DRS“ zum Einsatz – wenn der Flügel mal entschieden worde.

          Warum Flügel dennoch immer häufiger ihren Platz bei der Formula Student finden erklärt sich wohl am leichtesten an den anderen 3 dynamischen Disziplinen (SkidPad, Autocross, Endurance). Hier werden vornehmlich viele enge wechselnde Kurven und Slalomkurse gefahren, weniger Geraden mit hohen Geschwindigkeiten >60km/h. Die Kurvengeschwindigkeiten variieren natürlich.

          Um es leichter zu machen: Ein Großteil kann mit 40-60 km/h gefahren werden. Vielleicht erklärt sich einigen nun auch die Größe der Flügel. Um überhaupt einen Effekt zu erzielen entscheidet die Größe der Abtriebsflächen über die Zusatzkraft auf die Räder. Gerüchten zufolge sollen diese Flügel tatsächlich ein paar Zehntel-Sekunden verbuchen. Das Mehrgewicht eines Aero-Pakets liegt bei ca. 15kg.

          Letztlich obliegt es den Teams über Sinn oder Unsinn zu entscheiden, vielen ist das Aero-Paket wohl auch ein stilistisches Mittel, um das Fahrzeug mehr noch nach einem Formel-Rennwagen aussehen zu lassen.

          Hier haben die Kollegen der Jury für den Opel Style-Award aber auch feststellen müssen, dass dieser Gedanke häufig nicht der beste ist. Die Proportionen der Fahrzeuge geraten aus der Balance und lassen die Fahrzeuge noch „pummeliger“ wirken, als sie durch ihren kurzen Radstand ohnehin schon sind.

          • Ah ja – doch von ALLEM etwas !
            Da würde ich für den Award schon ein m²-Limit ansetzen bzgl. aufkommender Frittentheken 😉

  2. Warum nicht einfach mal etwas ausrechnen, anstatt zu spekulieren.
    Z.b. geben viele Teams 80kg Abtrieb bei 60km/h an.
    Bedeute z.b….330kg (mit AERO) / 250kg(ohne)=1.32
    Bedeutet Querbeschleunigung(wenn der Reifen das noch kann) Faktor 1.32.
    Bedeutet Geschwindigkeit Faktor: 1.15

    15%mehr Kurvengeschwindigkeit, bei 60km/h
    Natürlich gibt es Verluste durch Drag und Gewicht.
    Aber dazu wieviele der Top Ten-Teams habe Aero-Elemente?

    Glaubt ihr nicht auch das ein Ingenieur das Auto mal mit mal ohne gezeitet fährt?
    Der Unterschied sind nicht 1/10 sondern eher 2-4 Sekunden.

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