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Ampera Design Gastbeitrag Mobilität

RAD e @ Genf – E-Bike mit Opel-DNA

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Designer Richard Shaw mit Skizze RAD e

Unser Mann in Genf Jens Stratmann hat sich mit Richard Shaw, Chief Designer Advanced Design unterhalten. Dabei ging es – natürlich – vor allem um sein Fachgebiet.

Richard, Du gestaltest nicht nur Deine eigene Zukunft aktiv, sondern auch die von vielen anderen. Wie bist Du eigentlich Designer geworden?

Ich hatte schon immer eine Passion für Fahrzeuge. Nach der Schule wollte ich eigentlich Pilot werden, ich hatte den Traum, schnelle Flugzeuge zu fliegen. Doch dann habe ich gesehen, dass es eine Designschule gibt, tja und so bin ich Designer geworden und bin gefangen worden.

Es ist ja bekannt, dass Designer in die Zukunft schauen, wo ist Deine Glaskugel?

Die steht in Rüsselsheim, heutzutage ist die Glaskugel allerdings schon elektronisch. Du musst wissen, dass mehrere Jahre vergehen, bis eine Idee auf die Straße kommt. Das Bestreben ist immer, so schnell wie möglich am aktuellen Zeitgeist zu sein, da muss man dann natürlich den Blick in die Zukunft wagen. Im Hinterkopf sollte man immer neue Technologien haben. Ein Großteil der Arbeit ist Recherche. Da geht es dann um Materialien, Weiterentwicklungen usw.

Designer bei Opel, wie muss ich mir das vorstellen? Macht da einer alles oder bekommt man sein Thema vorgegeben?

Das ist total unterschiedlich, wir versuchen, dass jeder Designer auch mal die Chance bekommt, etwas anderes zu machen, ansonsten arbeiten wir immer an Projekten und da bekommt dann jeder sein Gebiet. Bei Concept-Fahrzeugen sieht es da auch schon wieder anders aus, als bei Fahrzeugen die kurz vor der Fertigstellung stehen. Es ist wichtig, wenn man Produkte gestaltet, dass man das Gesamtkonzept immer im Hinterkopf behält. Das Fahrzeug ist ja eines der seltenen Produkte, die man von außen sowie von innen gestalten muss bzw. darf.

RAD e auf dem Genfer Automobilsalon

Beim Thema Fahrzeug hat man ja auch noch die Problematik, dass es hier nicht nur um die Optik, sondern auch um die Funktionalität geht. Weiterhin kommen dann noch die Richtlinien, bzw. die Gesetze ins Spiel. Was muss man z.B. beim Design einer Stoßstange alles beachten?

Vollkommen richtig, da hat man verschiedene Radien-Winkel, die man einhalten muss, auch der Einfallswinkel sowie der Ausfallwinkel vom Kennzeichen muss beachtet werden und wenn lichttechnische Einrichtungen verbaut werden, dann geht das Spiel weiter. Wir arbeiten im Team allerdings Hand in Hand mit den Ingenieuren und sprechen uns bei so was immer direkt ab. Beim Auto kommt es nicht nur auf das Aussehen an, sondern auf die Ergonomie und natürlich auf das haptische Erlebnis.

“Ein Fahrzeug wie der RAK e muss Emotionen wecken”

Apropos Erlebnis, wir haben uns damals schon bei der Vorstellung des RAK e kennen gelernt, das war ja ein ganz besonderes Erlebnis für mich und ich muss sagen, ich habe mich in die Studie damals direkt verliebt.

Dann haben wir unser Ziel ja erreicht, so ein Fahrzeug muss Emotionen wecken. Wir sprechen da übrigens wirklich von „Liebe auf den ersten Blick“. Oft sieht man etwas und es gefällt einem, man weiß noch gar nicht warum und hinterfragt dann seinen eigenen ersten Gedanken.

In der Tat, das stimmt. Oft lässt man sich von seinen rationalen Gedanken dann wieder ablenken. Wie häufig verliebt sich denn so ein Designer in sein eigenes Projekt?

Das ist schwierig, denn wir Designer können ja nie aufhören, wir wollen eigentlich immer weiter machen, daher brauchen wir ein festes Ende. Wenn man das Endprodukt das erste Mal auf der Straße sieht, dann ist man aber schon stolz.

Designer Richard Shaw

Stolz bist Du auch auf das RAD e, ich habe heute bei der Präsentation nämlich das Strahlen in Deinen Augen gesehen. Ich stell mir das so ungefähr vor, dass man im Gestaltungsprozess das „Kind“ aufwachsen sieht und es nach der Fertigung laufen gelernt hat, wie siehst Du das?

Ja, so ist das, klar! Das ist wirklich eine Leidenschaft. Wir sind nicht nur Designer wegen des Berufs, sondern leben die Faszination. Man fängt an mit einem weißen Blatt Papier und dann beginnt der Entstehungsprozess. Den kann man in der Tat vergleichen mit der Geburt und der Abnabelung.

Funktion meets Design

Bleiben wir mal beim RAD e, dort habt Ihr ja Designelemente aus der Opel-Familie im Rahmen verwendet.

Richtig, von den Scheinwerfern inspiriert. Beim RAD e wollten wir dem Produkt eine gewisse DNA mitgeben, erstens zur gesamten Opel-Familie und ganz besonders zum Opel Ampera und dem RAK e. Da haben wir das stilistische Element der Bumerang-Scheinwerfer genommen und im Rahmen abgebildet.

Der Rahmen des RAD e ist aus ähnlichem Material wie damals beim Opel-Motorrad Motoclub 500 aus dem Jahr 1928. Warum setzt Opel hier auf Pressstahl und nicht auf Carbon?

Damals wurde das automotive Denken ins Motorrad gebracht, heute wollen wir es ins Fahrrad bringen. Natürlich hätten wir es auch aus Carbon machen können, aber Carbon ist sehr kostenintensiv und nicht unbedingt das umweltfreundlichste Material.

Mokka mit RAD e

250 Watt wird der Elektromotor haben, wenn das RAD e auf den Markt kommen sollte. Momentan sprechen wir hier ja noch von Zukunftsmusik, nicht nur optisch, sondern auch technisch. Ihr zeigt das RAD e hier in Genf auch auf einem FlexFix Fahrradträger. Dieser Halter wurde angepasst für das Fahrrad und ermöglicht nun mit einem Ladekabel die Aufladung des E-Bikes. Wie viel Design steckt in dem Ladekabel?

Wir achten ganz bewusst neben der Funktionalität natürlich auch auf das Design. Du machst das sicherlich auch, stell Dir mal vor, Du hast drei ähnliche Produkte, für welches würdest Du Dich entscheiden, wenn man mal rationale Punkte außer Acht lässt?

Vermutlich das, was mich emotional am ehesten anspricht…

Genau! Das ist der Grund, warum wir uns oft tagelang Gedanken über kleine Teile machen, denn wir wollen Emotionen wecken und haben dabei immer das Gesamtkonzept im Blick. Sprich, wenn der Ladestecker nun optisch nicht passen würde, wäre das ein Störfaktor.

RAD e

Wurde beim Design des RAD e auch auf die Ergonomie geachtet? Als Fahrradhersteller der ersten Stunde müsste Opel da ja über das nötige Fachwissen verfügen.

Ja, bei der Studie sind wir von einer Größe des Fahrers von 1,80 Metern ausgegangen, sollte das Pedelec in Serie gehen, haben wir da allerdings auch noch Spielraum nach oben und unten.

Die besten Projekte sind natürlich immer die Neusten, Deine Ideen stecken im RAK e und im RAD e, aber bei welchen Fahrzeugen hast Du noch deine Spuren hinterlassen?

Stolz war ich damals z.B. beim ersten Tigra, das war ja schließlich das erste kleine Coupé und natürlich habe ich immer positive Gedanken an den Calibra, ein Fahrzeug, welches auch heute noch anspricht.

Richard Shaw erklärte mir dann noch, dass ein gutes Produkt nur durch eine gute Zusammenarbeit entstehen kann. Gerade eine enge Zusammenarbeit zwischen den Ingenieuren und den Designern sei wichtig. Auch wenn man bei dem Verhältnis oft über eine Hass-Liebe spricht, haben beide nur ein Ziel: Das beste Ergebnis! Kann man mit einem besseren Satz diesen Blogbeitrag beenden? Ich glaube nicht! Ich bedanke mich bei Richard Shaw für den kleinen Einblick in die Welt des Designs.