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Entwickler-Tagebuch Entwicklung Technik

Wandlerautomatik mit mehr Effizienz – Der NIC-Trick

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Hallo, hier bei der Arbeit 😉 . Natürlich freue ich mich über solche Rückmeldungen. Ich hoffe, dass auch mein heutiger Beitrag den schmalen Grat trifft zwischen technischem Anspruch einerseits und weitgehender Allgemeinverständlichkeit andererseits.

Ganz oben auf unserer Prioritätenliste stehen heutzutage Sparsamkeit, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit – selbstverständlich ohne Einschränkungen bei den Fahrspaß-Kriterien wie Fahrleistungen und Komfort. Stichwort: Maximale Effizienz. Um diesen Spagat immer wieder schaffen zu können, suchen wir ständig nach Verbesserungen im Detail. Eine Lösung, mit der wir die „konventionelle“ Wandlerautomatik einen weiteren Schritt nach vorn gebracht haben, heißt Neutral Idle Control (NIC) – auf Deutsch: Neutralschaltung. Dabei gelingt es uns, das Aufnahmedrehmoment im Getriebe deutlich zu reduzieren, ohne das Anfahrverhalten zu beeinträchtigen. Mit dieser unspektakulären, für den Fahrer unmerklichen Funktion lassen sich gemäß NEFZ Verbrauchssenkungen von bis zu zwei Prozent realisieren.

Neutral Idle Control in Funktion, Beispiel Ampel Halten wir uns doch mal vor Augen, was ohne NIC im Aggregat vor sich geht – Beispielsituation Ampelstopp, Wählhebelstellung auf D(rive), Fuß auf der Bremse: Auf sich allein gestellt, bemüht sich der Drehmomentwandler in der Sisyphos-Rolle ständig, zwischen der in Leerlaufdrehzahl rotierenden Kurbelwelle und der Getriebeeingangswelle zu vermitteln. Dieser Balanceakt kostet Kraft, wobei die aufgenommene Leistung in Form von Wärmeenergie verpufft. Der aufreibende Kampf um die angemessene Dosis Schlupf macht sich als mehr oder weniger ausgeprägte Kriechneigung bemerkbar.

Mit NIC wird diesem Prozess wirksam Einhalt geboten. Sobald die Getriebesteuerung „Fahrzeug-Geschwindigkeit Null“ erkennt, reguliert das System den Öldruck der ersten Vorwärtsfahrstufen-Kupplung soweit herunter, bis diese rutscht. Von da an hält die Steuerung diesen zweiten Schlupfabschnitt, der den vorgeschalteten Wandler entlastet, auf einem per Kalibrierung definierten Idealniveau. Das geschieht mit Hilfe des Eingangsdrehzahl-Sensors und der getriebeinternen Aktuatoren in Abhängigkeit verschiedener Messgrößen wie Motordrehzahl sowie Getriebeöl- und Außentemperatur.

Dank des kontinuierlich geregelten Vorwärtskupplung-Schlupfs lassen sich nicht nur der Kraftstoffverbrauch und die CO2-Emissionen in der genannten Größenordnung drücken – höherer Komfort ist ein willkommener Nebeneffekt. So führen die geringeren Lasten für die Achswellen und Motorhalterungen zu einer verminderten Geräuschentwicklung. Darüber hinaus werden weniger Leerlauf-Vibrationen über die Karosserie in den Fahrzeuginnenraum übertragen. Der NIC-Trick zahlt sich also doppelt und dreifach aus.