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Backstage Classic

Schwarze Witwe – Wie Phönix aus der Asche

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Opel Rekord C, Schwarze Witwe Klar, neue Autos sind spannend – besonders in der Entwicklungsphase. Aber auch das Opel-Classic-Team hat eine Menge interessanter Geschichten auf Lager. Eine davon ist die von der schon fast mystischen „Schwarzen Witwe“: Auf Basis des Opel Rekord C wurde Mitte der 1960er Jahre unter dem damaligen Opel-Designer Anatole Lapine der erste Opel-Rennwagen nach dem Krieg erschaffen – als eine Art Geheimprojekt, also ohne Auftrag von „oben“.

Opel Rekord C, Schwarze Witwe Die „Schwarze Witwe“ erregte innerhalb sehr kurzer Zeit großes Aufsehen. Eine Familienlimousine im Rennsport? Geht! Der dunkel-bedrohliche Flitzer mit dem 180-PS-starken Vierzylindermotor ging mit Autodesigner und Rennfahrer Erich Bitter und dem jungen Niki Lauda zwischen 1967 und 1969 an den Start und erzielte hie und da bessere Rundenzeiten als BMW und Porsche. Von der Konkurrenz wurde der Opel auch Taxi genannt, da Taxen zu der Zeit schwarze Limousinen waren – prompt klebte das Taxi-Schild auf dem Dach des Boliden.

Genauso unvermittelt wie sie auftauchte, verschwand die „Schwarze Witwe“ auch wieder. Die letzten Spuren des Unikats, das Gerüchten zufolge ausgeschlachtet wurde, verlieren sich Anfang der 1970er Jahre in der Nähe von Wien. Soweit der Mythos.

Auferstanden aus dem Nichts

Jens Cooper in der Opel Classic-Werkstatt Als sich die Classic-Werkstatt zu einer Nachbildung entschloss, ging für Jens Cooper, der seit rund zehn Jahren in der Oldtimer-Werkstatt von Opel arbeitet, ein Traum in Erfüllung. Nicht nur auf Grund der faszinierenden Geschichte der „Schwarzen Witwe“ – Cooper fuhr als Führerscheinneuling selbst einen Rekord C. Zunächst freilich stand der heute 44-Jährige vor dem Nichts…bis an der Grenze zu Spanien ein Rekord C aus exakt dem Baujahr der „Schwarzen Witwe“ auftauchte. Gekauft wie gesehen hieß angesichts des Prachtstücks die Devise. „Das Auto befand sich für die Nachbildung in einem Traumzustand, hatte so gut wie keinen Rost“, erzählt Cooper.

Jens Cooper in der Opel Classic-Werkstatt Dann begann die interessante, aber auch schwierige Phase des Projekts: „Da das Auto damals nebenbei entwickelt wurde, gab es zwar Bilder, aber kaum Dokumente und Unterlagen zum Innenleben“, berichtet der gelernte Werkzeugmacher. Die Außennachbildung war also weniger das Problem, sogar das Logo auf dem Hupendeckel konnte Cooper detailgetreu gestalten. Doch das Fahrwerk, für dessen Qualität die „Schwarze Witwe“ bekannt war, und besonders die spezielle Hinterradaufhängung blieben zunächst weitestgehend im Dunkeln.

Hilfe vom Altmeister

Jens Cooper in der Opel Classic-Werkstatt Da konnte nur einer helfen: Schöpfer Anatole Lapine. Zum Altmeister nahm Cooper Kontakt auf und besuchte ihn in Baden-Baden. Auf einen Speiseplan von „Essen auf Rädern“ zeichnete der kürzlich im Alter von 81 Jahren verstorbene GM-Vordenker die Hinterachskonstruktion. „Vor der Arbeit dieses Mannes habe ich großen Respekt“, betont Jens Cooper. „In seinem Sinne sollte alles so perfekt wie möglich werden.“

Die Arbeiten sind in der Zwischenzeit beendet. Der erste offizielle Einsatz des schwarzen Mythos ist bei der Ennstal-Classic geplant. Kurz danach wird es Fahrvorführungen während der Classic Days auf Schloss Dyck geben. Hier soll auch der 78-jährige Erich Bitter noch einmal in den Genuss seines damaligen Rennwagens kommen.