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Ampera Mobilität

Ampera-Berichte – Lange Leitung

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Wer zuerst kommt, mahlt zuerst: Wolfgang P., frisch gebackener Ampera-Besitzer, folgte prompt dem Aufruf, uns den Alltag mit dem Ampera zu schildern. Seinen Beitrag zum Thema Ladeinfrastruktur in und um Hamburg veröffentlichen wir hier gern und freuen uns über weitere Texte (max. 2.000 Zeichen) und Fotos per Mail an moderator@opel-blog.com.

Ich wohne in Hamburg in der Innenstadt und besitze seit drei Wochen einen Ampera.

Opel Ampera Vorhergegangen war eine Probefahrt und meine daraus erwachsene Begeisterung für den Wagen. Als Lademöglichkeit hatte ich mir meine Box in der öffentlichen Stadteiltiefgarage vorgestellt, in der es eine Steckdose gibt. Leider ergab ein Test mit dem Vorführwagen und eine anschließende Untersuchung durch einen Elektriker (diese noch auf Kosten meines Opel-Händlers), dass bei der Ladung ein zu starker Spannungsabfall auftritt und eine neue – dickere – Leitung zum ca. 130 Meter entfernten Stromübergabepunkt gelegt werden muss. Dies habe ich auf eigene Kosten (ca. 1.600 Euro) veranlasst: Es gibt jetzt eine Lademöglichkeit mit sechs Ampere, mit zehn Ampere ist der Spannungsabfall immer noch zu hoch (auf 215 Volt) und das Laden funktioniert nicht. Aber sechs Ampere reichen mir, es ist ziemlich egal, ob der Wagen in sechs oder zehn Stunden geladen wird, Hauptsache die Akkus sind am nächsten Morgen voll. Aus dieser Erfahrung eine erste Anmerkung zur Ladeinfrastruktur: In der Innenstadt ist das Laden nur möglich, wenn man einen festen Parkplatz hat, an den sich eine Steckdose legen lässt. Es stellt sich außerdem heraus, dass die E-Anschlüsse der öffentlichen Tiefgarage nicht ausreichend dimensioniert sind, um ohne aufwändige Leitungsverlegungen Lademöglichkeiten zu schaffen. Auch sind die Anschlüsse der Tiefgaragen nicht für die Ladung mehrerer Elektro-Fahrzeuge ausgelegt. Hier sollten Anreize für die Tiefgaragenbetreiber geschaffen werden.

Zwar gibt es in Hamburg eine Reihe von öffentlichen Ladestationen von Vattenfall, diese machen aber nur für auswärtige Autofahrer Sinn, jeder private Hamburger E-Mobil-Fahrer dürfte seine eigene Lademöglichkeit haben. Für auswärtige Fahrer ist die Nutzungshürde aber zu hoch: Man benötigt einen Vertrag mit Vattenfall, für den man eine monatliche Gebühr bezahlt, egal ob man ab und zu lädt oder nicht. Zum Glück bestehen an den Vattenfall-Stationen aber wenigstens die technischen Voraussetzungen für eine Ladung des Ampera: Sie haben neben den üblichen Mennekes-Buchsen zusätzlich Schuko-Steckdosen.

Ganz anders bei den RWE-Stationen, über die ich mich erkundigt hatte, weil ich demnächst nach Köln fahren möchte: Diese haben zwar den Vorteil, dass man sie theoretisch auch ohne Vertrag mittels eines SMS-Anmeldesystems nutzen könnte, sie sind aber nicht mit Schuko-Steckdosen ausgestattet. Mein Anruf bei der E-Mobility-Hotline der RWE, ob hier eine Änderung geplant sei, wurde negativ beschieden. Die Hotline konnte mir im Übrigen nicht sagen, welche Elektroautos überhaupt an den RWE-Stationen geladen werden können.

Meine eigene Recherche ergab dann, dass Voraussetzung der Kauf eines mindestens 529 Euro teuren Kabels ist, mit dem aber auch nicht garantiert werden kann, ob es mit dem Ampera klappt. Eine Umfrage im Ampera-Forum ergab, dass offenbar noch keiner der dort versammelten Ampera-Fahrer jemals eine RWE-Station genutzt hat.

Die RWE-Stationen sind exemplarisch für das generelle Chaos der öffentlichen Lademöglichkeiten für Elektro-Autos: Es gibt in jeder Region andere Anbieter, die meist eigene Verträge mit monatlichen Gebühren voraussetzen, um überhaupt laden zu können, ganz abgesehen von den technischen Hürden. So setzt EON als einer der anderen großen Stromanbieter einen Vertrag voraus, der monatlich 9,95 Euro kostet. Um in der Lage zu sein, seinen Ampera in Deutschland überall unvorbereitet laden zu können, müsste man also auf gut Glück mit mehreren Stromanbietern Verträge schließen und monatliche Gebühren bezahlen.

Aus diesen Erfahrungen folgt für mich:

  • Die öffentliche Ladeinfrastruktur ist praktisch kaum nutzbar und dient offensichtlich nur propagandistischen Zwecken: Die Ladesäulen suggerieren der Öffentlichkeit, dass man was tut, tatsächlich ist es den E-Werken aber ziemlich egal, ob sie genutzt werden.
  • Es ist entweder eine Koordinierung durch die Bundesregierung nötig oder Verträge der Hersteller, z.B. Opel, mit den großen Strombetreibern, damit den Besitzern von E-Mobilen günstige und vielfältig verwendbare Zugangskarten für öffentliche Ladestationen zur Verfügung gestellt werden können.
  • Mit wenig Aufwand können E-Mobile eigentlich nur auf dem Lande von Eigenheim-Besitzern genutzt werden. Nur für diese ist es einfach, das Auto zu laden. In den Städten hingegen, wo E-Mobile viel sinnvoller fahren sollten, ist ein hoher Aufwand nötig, der bislang vollständig privat zusätzlich zu den ohnehin höheren Anschaffungskosten der Fahrzeuge aufgebracht werden muss.
  • Statt zusätzlicher Subventionierungen öffentlicher Ladestationen sollten für die Betreiber von Tiefgaragen und Parkhäusern Anreize zur Einrichtung von Parkplätzen mit Lademöglichkeit geschaffen werden.

Opel Ampera Trotz dieser Mängel bereue ich den Kauf des Ampera nicht: Er bietet ja den Vorteil, dass mir die Ladeinfrastruktur bei größeren Fahrten gleichgültig sein kann, da ich dank des Range-Extenders ja nicht darauf angewiesen bin.
Übrigens: Mittlerweile gibt es offenbar doch eine Möglichkeit, den Ampera an den RWE-Stationen zu laden. Nachzulesen im Ampera-Forum.