avatar

Entwickler-Tagebuch

Sichere Intelligente Mobilität: Fünf-Prozent-Regel

,


Unsere 24 Wochen simTD-Feldversuch waren in drei gleich lange Abschnitte unterteilt. Zu Beginn eines jeden Versuchs-Blocks haben wir neu dazu gekommene Fahrer mit dem simTD-System vertraut gemacht und ihnen die Strecke gezeigt.

Opel beim simTD-Feldversuch Dreh- und Angelpunkt des Feldversuchs war unser Versuchsflottenstützpunkt auf dem Industriepark Höchst-Parkplatz. Hier ging morgens um 6 Uhr das Licht an. Die Fahrer bekamen ihre Wagenunterlagen, die Schlüssel und USB-Sticks, auf denen die Daten für die spätere Auswertung aufgezeichnet wurden. Anschließend besprachen wir noch einmal die Routen und Drehbücher. Dann ging’s los.

Opel beim simTD-FeldversuchAlle Fahrer zurück am Stützpunkt – Feierabend. Von wegen. Für das Planungsteam begann dann erst die Arbeit. Abends bewerteten wir, ob aktuelle Ereignisse in die Planung des kommenden Tages einfließen müssen. Also zum Beispiel eine Sperrung oder Baustellen, die eine neue Streckenführung oder eine Drehbuch-Variation erforderten. Weil alles so eng miteinander verzahnt war, hatte das mitunter sehr weitreichende Auswirkungen.

Der Aufwand hat sich aber gelohnt. Eine Erkenntnis des Versuchs: Selbst bei einer simTD-Ausstattungsquote von nur fünf Prozent würden alle Verkehrsteilnehmer von dem System profitieren. Deshalb haben sich die beteiligten Partner jetzt darauf geeinigt, ab 2015 in einem Korridor von Rotterdam über Frankfurt am Main bis Wien die Sicherungsanhänger der Baustellentrupps mit dieser Technik auszurüsten. Dies fördert die angepasste Fahrweise in diesen kritischen Bereichen. Höherer Schutz für das Baustellenpersonal und geringerer Spritverbrauch sind direkte positive Folgen. Wichtig ist, dass hier alle Interessengruppen an einem Strang ziehen. Schließlich müssen nicht nur die Fahrzeuge entsprechend ausgerüstet sein, auch die Infrastruktur muss passen.

Opel beim simTD-Feldversuch Opel beim simTD-Feldversuch

Kommentare (9)

  1. Sehr interessant das ganze, ab wann kann man den mit dem Einsatz in Serien Fahrzeugen rechnen ? 2018 ? und wenn das System Startet kommt da gleich die komplette Palette an Funktionen oder wird erst mal mit z.b. Wetterwarnungen u.s.w. begonnen ?
    Würde es eine Möglichkeit geben das System in aktuelle Fahrzeuge ähnlich mobiler Navis nach zu rüsten ?

    • @ Albert: Natürlich juckt es den Ingenieur in den Fingern, hierauf sofort eine Antwort zu geben. Es ist freilich aus Wettbewerbsgründen klar, dass wir noch nichts über die Markteinführung sagen können. Zumindest so viel: Die Entwicklung hat hierfür bereits alle Weichen gestellt. Generell befinden wir uns in all diesen Themen als Automobilindustrie auch noch in einer gemeinsamen vorwettbewerblichen Phase der Forschung. Eine der Hauptprioritäten der nächsten Jahre ist neben weiteren Entwicklungsschritten auf der Fahrzeugseite vor allem auch der Aufbau einer notwendigen Roadside-Infrastruktur und der damit verbundenen Kommunikationsnetze. Opel wird sich hieran weiterhin führend und aktiv beteiligen. So wird in einigen Jahren erstmals ein kompletter Verkehrs-Korridor von den Niederlanden über Deutschland nach Österreich mit der entsprechenden Infrastruktur ausgestattet sein. In diesem europäischen Testfeld werden dann die einzelnen Hersteller die nächste Stufe mit größeren Demonstrations-Flotten einläuten. Dies startet im Zeitfenster 2015/2016. Es mag Zwischenlösungen von einzelnen Herstellern geben, die temporär die Vernetzung der eigenen Fahrzeuge und ähnliche Ansätze verfolgen, aber letztendlich muss dies für alle Hersteller standardisiert erfolgen. Die Ausprägung der HMI für das jeweilige Fahrzeug und die tatsächliche Nutzung der standardisiert übermittelten Daten im Sinne der jeweiligen Marken-Philosophie wird dann den Unterschied zwischen den Herstellern ausmachen. Das wird eine Nachrüstlösung nur eingeschränkt leisten können – schließlich müssen Funktionalität, Qualität, Sicherheit sowie das Zusammenspiel mit anderen Fahrzeugdaten sichergestellt werden. Diese Anforderungen fließen daher bereits in der Frühphase der Entwicklung in die Definition der Fahrzeugarchitektur ein. Somit ergibt sich ein entsprechender Vorlauf für die Entwicklung und Validierung. Mit den jüngst präsentierten Ergebnissen des simTD-Projekts haben wir die verlässliche Grundlage für den Start dieser Entwicklung erarbeitet.

      • Vielen Dank für die Ausführliche Antwort!

        Vielleicht sollte Opel mal die Fortschritte des simTD-Projekts etwas öffentlicher publik machen, ein gewisser 4-ringe Hersteller macht das schon ne Zeitlang, und die Leute glauben das das es einzig auf deren Entwicklungsarbeit zurückfällt, obwohl es das System ja bis jetzt (noch) bei niemanden zu kaufen gibt.

      • “…ein kompletter Verkehrs-Korridor von den Niederlanden über Deutschland nach Österreich mit der entsprechenden Infrastruktur ausgestattet sein….”

        Bei der *Hanf-Transitstrecke* dann auch gleich die Frühwarn-Sensorik dafür einpflanz…äh, einplanen !…;o)

        Die Kameras der Mautbrücken dürften irregulär erweiterte Pupillen doch schon erkennen, oder ?!

        • @didi
          Zu Beginn der MAUT konnten die Kameras nur Fahrzeuge bis 160km/h erkennen – alles darüber war verschwommen… 🙂
          Haben die sogar getestet damals – leider war ich da nicht dabei 🙁 Hätte mich mal interessiert – auch interessant ist, was die wohl jetzt für Kameras und technische Spezifikationen haben.

    • Was soll dieses künstliche Geheimgetue? In der Zitat “Vorwettbewerblichen Phase” ist es Zitat “freilich aus Wettbewerbsgründen klar, dass wir noch nichts über die Markteinführung sagen können.”
      Andere können das, Mercedes will noch in diesem Jahr mit Car-to-x anfangen. Wer soll das noch verstehen?
      Der Zeitraum war afaik Juni bis Dezember 2012, das erklärt den Schnee. Und die Wettbewerber waren auch dabei.

      • Zitat: “Dies startet im Zeitfenster 2015/2016. Es mag Zwischenlösungen von einzelnen Herstellern geben, die temporär die Vernetzung der eigenen Fahrzeuge und ähnliche Ansätze verfolgen, aber letztendlich muss dies für alle Hersteller standardisiert erfolgen.”

Einen Kommentar schreiben

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
* Pflichtfelder