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Backstage Motorsport

Verkehrte Erziehung – Strycek hoch 3 im Astra OPC

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Robin und Lena StrycekMaggy und ich haben bei der Erziehung wohl doch etwas falsch gemacht. Schließlich waren wir uns einig, dass unsere beiden Sprösslinge keine Rennfahrer werden sollten. Einer von der Sorte in der Familie genügt. Aber erstens kommt es anders und zweitens fallen die Äpfel nicht weit vom Stamm. 😉

Obwohl Lena (23 Jahre) und Robin (21) quasi an der Piste groß geworden sind, schien es zunächst, als würden wir unser Ziel erreichen. Robin wollte unbedingt in ein Bambini-Kart, sein Annäherungsversuch scheiterte aber kläglich – kaum war der Motor angesprungen, lief unser Kleiner erschrocken davon. Klasse, dachten wir, das haben wir schon mal fein hinbekommen.

Familie Strycek auf der KartbahnDer Fall Lena war diffiziler. Als ich beim Training mit meinem Rennkart an die Box kam, stand mein Mädchen da und wollte unbedingt auch mal. Bevor ich drüber nachdenken und ihr alles erklären konnte, zischte sie los. Es kam, wie es kommen musste: In der ersten Runde nahm sie eine schnelle Links-Rechts-Passage mit Vollgas, wo ich bestenfalls mit Halbgas rumkomme. Also ab in die Reifenstapel. Noch während ich hoffte, dass ihr erstens nix passiert ist und wir damit zweitens unsere Nachwuchsrennfahrer-Sorgen endgültig los sind, sprang Lena aus dem Kart, zerrte es auf die Bahn zurück und fuhr so lange, bis sie mit leerem Tank auf der Strecke stehenblieb.

Robin Strycek_dmsjWir sahen keine andere Chance als auf Zeit zu spielen: erst Schule fertig machen, dann sehen wir weiter. Aber schon kurz nach dem Abitur präsentierte uns Robin eine Ausschreibung vom Deutschen Motorsport Bund (DMSB) – der Jugendbereich veranstaltete eine Fahrersichtung in Oschersleben. Okay, versuch Dein Glück, meinten wir, ohne daran zu glauben, dass er eingeladen wird.

Was soll ich sagen? Robin wurde nicht nur eingeladen, nein, er gehört tatsächlich dem vier Mann starken dmsj-Team 2013/2014 an. Laut Einsatzprogramm bestreiten die Junioren die Vorbereitungsläufe in der VLN und zur Krönung das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring – in einem Opel Astra OPC Cup. Wow, da werden sich also die Wege von Vater und Sohn künftig im Zeichen des Blitzes in der „Grünen Hölle“ kreuzen.

Lena und Volker StrycekAuch Lena hat der Vollgas-Virus voll erfasst: In ihrer ersten RCN-Saison gewann unsere Draufgängerin den Lady-Cup und belegte den vierten Platz in der Juniorwertung. Mit ihrem Astra OPC – natürlich, was denn sonst 😉 – heimste sie sechs Klassensiege ein. Als Lena mal Zweite wurde, musste sie sich nur einem beugen – ihrem Bruder Robin.

Ist doch schön, wenn Erziehungsfehler zu solchen Ergebnissen führen. Wir sind stolz auf die beiden und froh, dass es so gekommen ist … obwohl … vielleicht sollte ich nochmal meine Frau fragen? 😉

Robin Strycek im Opel Astra beim RCN #7 21.09.2013 © Patrick Funk, vln-pix.de

Kommentare (11)

  1. Jetzt wirds dann aber auch mal so langsam Zeit für einen würdigen Astra V8-Nachfolger, schliesslich wollen die jungen Leute auch ihren Spaß haben? Außerdem würde es mich sehr freuen, wenn der Opel-Nachwuchs mit dem entsprechenden Arbeitsgerät gewissen “Etablierten” zukünftig wieder etwas mehr Dampf machen könnte….
    Aber auch so: Fam. Strycek, herzlichen Glückwunsch, alles richtig gemacht!

  2. Toller Artikel, da kann man mächtig stolz drauf sein, Hut ab.
    Und ich bin richtig stolz, dass Robin zudem noch als Fahrer bei uns im Kart Racing-Team “Wir-lernen-es-nie” seine Runden dreht. 🙂

  3. Danke für den Beitrag. Mir kommen diese Worte irgendwie bekannt vor – wollte mein Vater doch auch nicht, dass ich den gleichen Beruf erlerne, wie er. Wie auch immer….
    Dass Zustände des Glücks häufig nur von kurzer Dauer sind, mag wohl daran liegen, dass man diese nicht einfangen und konservieren kann. Und so gibt es weise Menschen, die der Meinung sind, dass es im Leben auch nicht darum gehen kann, glücklich zu sein. Jedoch – so eine weitere Weisheit – sei es um so lohnenswerter, nach Zufriedenheit zu streben, wobei es hier wiederum um die Frage nach dem Fundament der Zufriedenheit geht – was macht mich wirklich zufrieden? Ich wünsche uns allen, dass wir hierauf früher oder später eine Antwort – einen Weg, den es sich lohnt zu gehen, finden.
    Was auch immer Sie dazu bewogen haben mag, Herr Strycek, ihren Kindern von dem Beruf des Motorsportlers abzuraten, möchte ich Ihnen an dieser Stelle einfach sagen, dass es möglich ist, dass ihre Kinder in Ihnen ein Vorbild gesehen haben und sehen, das möglicherweise einen Weg gefunden hat, etwas zu tun, das zum einen Spaß bereitet – Sie aber auch zufrieden macht. Darauf können Sie stolz sein und vielleicht wirkt sich das ja auch zusätzlich auf ein Gefühl der Zufriedenheit aus! Um so mehr wünsche ich genau dies ihren Kindern: Dass sie mit dem Motorsport etwas gefunden haben, dass ihnen ebendies beschert: Zufriedenheit. Und man sagt ja nicht umsonst: Die höchste Form der Anerkennung ist die Kopie. In diesem Sinne 🙂

  4. Meine Eltern wollten auch nie das ich mit diesem Sport anfange, habs bei Beginn meiner Ausbildung vor ein paar Jahren dann trotzdem gemacht. Mittlerweile haben aufgegeben es mir auszureden und des Einzige des mich noch ausbremst ist des liebe Geld. Aber einen Motorsportler hält das natürlich nicht auf 😉

  5. Das freut mich doch, ich weiß noch gut, wie unsere Kinder gemeinsam durch die Boxen zogen. Meistens hatten sie doch mehr Respekt vor dem Geschehen, als manch Erwachsener. Vielleicht ist da der Funke übergesprungen. Unsere beiden haben da, Gott sei Dank, nicht die Beziehungen, die Lena und Robin haben. Viel Glück euch vieren, und vielleicht sehen wir uns einmal in der Grünen Hölle wieder, obwohl ich die alten Zeiten echt vermisse. Als unser Astra noch lief, war die Welt noch in Ordnung……….

  6. Naja, es gibt doch nichts schöneres, wenn man die Freizeit mit der Familie verbringen kann und dann auch noch das gleiche Hobby bestreiten ist doch grossartig! Bin ehrlich gesagt ein wenig neidisch, denn meine Truppe hat mit der Rennerei mal gar nichts am Hut! Ich freue mich für Euch! Gruss, Lars

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