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Entwickler-Tagebuch Entwicklung

CONVERGE – Besser gewarnt ist halb gewonnen

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CONVERGE_Harald Berninger, Opel (rechts), im Gespräch mit Ingolf Koch, ContinentalWer kennt sie nicht, die Radiodurchsagen: „Achtung Autofahrer! Auf der A soundso kommt Ihnen zwischen Anschlussstelle X-Bach und Y-Hausen ein Falschfahrer entgegen. Fahren Sie äußerst rechts und überholen Sie nicht.“ Jährlich gibt es in Deutschland etwa 2.000 solcher Meldungen. Dabei dauert es rund vier Minuten, bis die Warnung tatsächlich verlesen wird. Eine lange Zeit, wenn man bedenkt, dass viele Falschfahrten schon nach fünf Minuten enden – oft genug verhängnisvoll: etwa 80 Mal im Jahr kommt es dadurch zu schweren Unfällen.

„Das wollen wir mit Hilfe einer einheitlichen Kommunikationsarchitektur ändern“, sagt Harald Berninger. Er ist bei Opel zuständig für die Car-to-Car-/Car-to-X-Kommunikation. „Innerhalb von Sekunden sollten gefährdete Verkehrsteilnehmer einen Warnhinweis erhalten – das kann schließlich Leben retten.“ So genannte Road Side Units (RSU) an der Anschlussstelle erkennen den Falschfahrer und informieren die anderen Fahrzeuge in der Nähe. Gleichzeitig leitet die Verkehrszentrale diese Meldung an das RSU- und das Mobilfunknetzwerk weiter. „Dadurch wird die Falschfahrerwarnung erheblich schneller und gezielter verbreitet als bisher“, erklärt Berninger.

CONVERGE_Workshop in BerlinWelche technischen und administrativen Voraussetzungen für solche anspruchsvollen Informationen gelten müssen, das untersucht das europäische Forschungsprojekt CONVERGE (COmmunication Network VEhicle Road Global Extension). Neben uns Automobilherstellern sind auch Serviceanbieter, Straßeninfrastrukturbetreiber, Verkehrsleitzentralen, Mobilfunkbetreiber und Zulieferer, IT-Dienstleister sowie Hochschulen und Forschungsinstitute eingebunden. Jeder forscht auf seinem spezifischen Gebiet, wobei Opel den Schwerpunkt auf die Falschfahrer-Meldungen legt. Kürzlich trafen sich die Repräsentanten von insgesamt 14 Projektpartnern zur Hälfte der dreijährigen Laufzeit bei einem internationalen Workshop in Berlin. Mehr als 120 Teilnehmer aus zwölf Ländern diskutierten über den aktuellen Stand der Forschung. Für Harald Berninger „war es vor allem interessant zu sehen, wo die anderen stehen und ein Feedback zur eigenen Arbeit zu bekommen“.

Dreh- und Angelpunkt des Forschungsprojektes ist die Entwicklung einer offenen Kommunikationsarchitektur. Aktuell favorisiert die CONVERGE-Forschung ein hybrides Modell. Es berücksichtigt den Informationsaustausch sowohl über Mobilfunk als auch mittels WLAN-Technologie. Ziel ist es, einen offenen und sicheren Standard zu entwickeln, der über Ländergrenzen hinweg unabhängig von Herstellern genutzt werden kann.