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ADAM Gastbeitrag Motorsport Video

ADAM Rallye-Tracktest – Schwitzkur im R2

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Blogger und Race-Reporter Moritz Nolte mit ganz persönlichen Eindrücken vom Tracktest mit dem ADAM Cup und dem ADAM R2:

Opel ADAM Rallye-TracktestMänner neigen ja dazu, sich maßlos zu überschätzen. Besonders deutlich wird das, wenn man uns fragt, ob wir gut Auto fahren können. Und eine „sportliche“ Fahrweise schreibt sich sowieso jeder Zweite zu. Dass es damit nicht weit her ist, dürften einige von uns maximal verstohlen mutmaßen. Ich hatte meinen Aha-Effekt 2007. Bis dahin vermeintlich gut (und schnell) mit einem getunten Opel Astra G Cabrio unterwegs, durfte ich bei Rennfahrer Sascha Bert in einem Opel Astra H OPC auf dem Handlingkurs in Dudenhofen auf dem Beifahrersitz Platz nehmen. Sascha Bert bewegte den 240 PS-Fronttriebler mit einer Vehemenz, dass mir die Spucke wegblieb. Ich spreche also aus Erfahrung, wenn ich sage: für Autofahrer, die mit „sportlichem“ Fahren hauptsächlich einen durchgetretenen Gasfuß auf der Autobahn assoziieren, ist eine Mitfahrt bei einem Profi auf abgesperrter Strecke ein regelrechter Schock. Keine 10 Minuten Querdynamik in der Praxis später, war ich geläutert und wusste urplötzlich, was wirklich „schnelles“ und „sportliches“ Autofahren bedeuteten.

Opel ADAM Rallye-TracktestEinige Jahre später bin ich selbst den einen oder anderen Kilometer auf Rennstrecken gefahren und genoss ein ums andere Mal in vollen Zügen die Mitfahrt bei echten Rennsportprofis. Der damalige Schock wich also einer starken Faszination für das Thema Fahrdynamik und einer immerhin rudimentären Routine. Mitte März erreichte mich dann eine Anfrage, die mich elektrisierte – aber auch leicht nervös werden ließ: kurzfristig ergab sich mir die Möglichkeit, den Opel ADAM aus dem ADAC Opel Rallye Cup und den noch schnelleren Opel ADAM R2 des ADAC Opel Rallye Junior Teams im Rahmen eines Journalisten-Events zu testen. Trotz des mulmigen Gefühls in meiner Magengegend konnte ich natürlich nicht nein sagen. Schließlich bedeutete dieser „Tracktest“ für mich doch die allerersten WP-Kilometer in einem, nein, zwei waschechten Rallye-Boliden.

Vorbereitung ist im Motorsport natürlich alles, und so bereitete ich mich auf meinen ersten Rallyeeinsatz sorgfältig vor, studierte den Aufschrieb und entsprechendes Kartenmaterial. Auf YouTube zog ich mir einschlägige Videos rein, von meiner Mitfahrt im Opel ADAM „Cup“ bei Ronald Holzer im Rahmen der Rallye Deutschland bis hin zu Inboard-Videos von der zu fahrenden Wertungsprüfung. Kurz: ich war weit davon entfernt, das Event zu unterschätzen.

Am Vormittag des Tracktests mache ich mich auf den rund 300 Kilometer weiten Weg von Bochum nach Thüringen. Im Pott wolkenloser Himmel, strahlender Sonnenschein, Gesichtskirmes. Je weiter ich mich Richtung Osten bewege, desto bewölkter wird es. Es wird doch nicht noch regnen? Eine feuchte Strecke kann in Verbindung mit Heckantrieb und ausladenden Sicherheitszonen einer Rennstrecke durchaus Spaß machen. Aber für meinen ersten Rallye-Einsatz hatte ich mir eigentlich staubtrockene Strecken gewünscht. In diesem Moment fängt es an zu tröpfeln. Nicht gut, denke ich mir und mache die Scheibenwischer an.

Opel ADAM Rallye-TracktestWenig später erreiche ich auch bereits den mobilen Service von Opel Motorsport in Kupfersuhl unweit von Eisenach. Zum Glück hat die Sonne wieder Oberhand gewonnen. Und da stehen sie auch schon, die beiden Rallye-ADAM. Rein äußerlich unterscheiden sich die beiden Boliden kaum, aber der R2 ist deutlich lauter, wie ich später feststelle.

Opel ADAM Rallye-TracktestIch werde heute den letzten Fahrslot haben – hoffentlich haben meine Vorfahrer die beiden Rallyegeräte ordentlich warmgefahren, denke ich mir in einem Anflug überschäumender Vorfreude. Alexander Lengen von Opel bittet mich dann auch schon zur Anprobe. Der Rennanzug in den typischen gelb-grauen Opel Motorsport-Farben sitzt, Helm auch, HANS-System auch – dann kann’s ja losgehen.

Opel ADAM Rallye-TracktestMehr oder weniger elegant gleite ich in den Opel ADAM in Cup-Spezifikation. Die Sitzposition ist geradezu angenehm. Weniger angenehm, aber notwendig ist, wie ich von der Service-Crew in dem Sparco Competition-Vollschalensitz festgezurrt werde. Immerhin kann ich noch beide Arme und beide Beine bewegen. Etwas routinierter rutscht dann ein entspannter Horst Rotter neben mir auf den Beifahrersitz. Mit Horst Rotter an der Seite kann eigentlich nichts schief gehen. Denn der ist ausgewiesener Rallye-Profi mit über 20 Jahren Rallye-Erfahrung und unter anderem den Opel Corsa S1600 in der Deutschen Rallye-Meisterschaft gefahren.

Im Cockpit erinnert fast nichts an einen gewöhnlichen Opel ADAM, das hier ist Rallye-Feeling pur! Und laut ist es – kein Wunder, dass die Besatzung Helme mit Gegensprechanlage tragen muss. Horst erklärt mir alles was ich wissen muss, um den 142 PS starken Opel ADAM Cup bewegen zu können. Und das ist überraschend wenig. Einzig das sequenzielle Getriebe – in dieser Rallye-Klasse sicherlich einzigartig – erfordert etwas Übung. Mit Kraft dürfen hier die Gänge ohne Kupplungsbetätigung sortiert, ach was: reingeprügelt werden. Bei den ersten Schaltvorgängen ist es noch etwas ungewohnt, mit so viel Krafteinsatz am langen Schaltstock zu agieren, aber ein paar Augenblicke später funktioniert das ganz gut: ein beherzter Zug am Knüppel und das sequenzielle Sadev-Fünfganggetriebe schaltet einen Gang hoch. Ein kräftiger Druck nach vorn schaltet einen Gang runter.

Horst erzählt mir noch ein bisschen was über die Strecke – und dass sie tatsächlich etwas schmierig und anspruchsvoll zu fahren ist. Worte, die wie eine Warnung wirken – „Junge, übertreib‘s nicht!“. Worte, an die ich mich später noch erinnern werde.

ADAM Rallye-TracktestAuf den ersten Metern des Teilstücks der von der Rallye Race Gollert oder der Wartburg-Rallye bekannten Wertungsprüfung Kupfersuhl-Etterwinden ist das Fahren noch etwas ungewohnt. Nach drei Stunden gemütlicher und monotoner Autobahnfahrt muss ich mich überwinden, den 1,6-l-ECOTEC 16V-Motor des Rallyezwergs bis kurz vor den Begrenzer hochzudrehen. Aber einige motivierende Worte des Rallye-Profis neben mir wirken Wunder und ich beschleunige immer wieder bis auf rund 6.500 Umdrehungen pro Minute. Den optimalen Schaltzeitpunkt zeigen die blauen Blitze der Schaltlampe an.

ADAM Rallye-TracktestEin wenig muss ich mich an die Bremse gewöhnen, die baut ihre vollständige Leistung nämlich nur dann auf, wenn du mit dem Pin richtig drauf latschst. Bei Bedarf kann übrigens der Bremsdruck an der Hinterachse reguliert werden, um die Bremsbalance zu optimieren. Aber an Fahrwerksoptimierung denke ich in diesen Minuten nicht.

Vielmehr konzentriere ich mich darauf, als Amateur halbwegs das Potenzial des Rallye-Boliden zu erkunden, ohne in die Botanik abzufliegen. Die Bäume stehen recht dicht an der Strecke, könnte wehtun. Mit jeder Kurve gewinne ich mehr Vertrauen in den Cup-ADAM und werde schneller, zweimal muss ich leicht korrigieren. Vor allem mit den schnellen L3-/R3- und L4-/R4-Kurven ist nicht zu spaßen, da sie zum Teil nass und richtig schmierig sind. Die Michelin-Semislicks arbeiten aber richtig gut und kündigen die drohende Haftgrenze frühzeitig an. Der ADAM fährt sich extrem präzise und neutral, so dass es eine wahre Freude ist, mit ihm eine Kurve nach der anderen zu sezieren.

Nachdem wir die seit DDR-Rallye-Zeiten bekannte WP mit ihren legendären Schuttkurven zweimal in jede Richtung durchpfeilt haben, geht es auch schon wieder zurück zum mobilen Service. Ich meine, mich gut geschlagen zu haben und bin froh, den Rallye-Knirps heil gelassen zu haben. Doch die richtige Prüfung soll erst noch folgen.

ADAM Rallye-TracktestHorst und ich lassen das Erlebte noch einmal Revue passieren, der Rallye-Pro gibt mir noch einige wertvolle Tipps und schon sitzen wir beide im ADAM R2. Der ist im Cockpit noch spartanischer, noch lauter und, wie ich bereits auf den ersten Metern zur WP bemerke, noch direkter. Die 190 PS, die der 1,6-l-16V-Vierzylinder-Saugmotor mit Rennkolben und variabler Nockenwellenverstellung leistet, merkt man ihm sofort an. Diese 50 Mehr-PS machen den Opel ADAM R2 deutlich, deutlich schneller. Ich bin also gewarnt.

ADAM Rallye-TracktestUnd dann passiert es plötzlich: in einer schmierigen L4-Kurve wird das Heck leicht. Blitzschnell reagiere ich, reiße das Lenkrad nach rechts und kann den frontgetriebenen Rallye-Wagen so auf der Straße halten. Das kann also passieren, wenn ein Fronttriebler mit kurzem Radstand und 190 PS auf ein Gewicht von gerade einmal 1.030 Kilogramm und auf rutschigen Untergrund trifft. Ich bin kurz stark (wirklich stark!) beeindruckt und Horst pflichtet bei: „Wenn du da in die Wälder gehst, das tut weh“, nur um kurz darauf noch zwei Runden mit mir zu fahren.

ADAM Rallye-TracktestAm Ende des Tages haben wir die Wälder (und die Autos) heil gelassen. Horst lobt noch meine Reaktionsfähigkeiten und gibt mir ein paar warme Worte für mein Ego mit auf den Weg: „Du warst der Einzige heute, der die letzte Ausgangs-Links-5 voll gefahren ist“. Das geht natürlich runter wie Öl. Etwas erschöpft und verschwitzt, aber glücklich kämpfe ich mich nach 20 Minuten Rallye-Einsatz aus dem ADAM R2. Was für ein Erlebnis, denke ich und freue mich irgendwie auf den monotonen, doch entspannten 300 Autobahn-Kilometer langen Weg nach Hause…