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ADAM Entwickler-Tagebuch

ADAM-Test – Crash-Kür in sechs Akten

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„Lasst uns doch über den Tellerrand schauen und zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: wir checken mal unsere Abläufe außerhalb der Reihe und unser Werkstudent kann den Praxistest machen.“ Das waren unsere Gedanken, als wir die üblichen Aufpralltests – also quasi das Pflichtprogramm – mit dem ADAM absolviert hatten. Gedacht, getan. Der angehende Ingenieur der Fahrzeugtechnik Tim Gießler betreute den Versuchsaufbau der Crash-Kür und schildert hier, wie wir vorgegangen sind:

Opel ADAM Crash-TestUnsere Überlegung war folgende: Wir wissen, wie der ADAM bei den standardisierten 10°-RCAR-Tests und bei den „großen“ Tests unter Euro NCAP-Bedingungen reagiert. Zur Erinnerung – der 10°-RCAR-Test sieht die 15+1 km/h-Frontalkollision mit einer 10 Grad schräg stehenden Stahlbarriere bei 40 Prozent Überdeckung vor. Euro NCAP fährt die Testwagen beim Frontalaufprall mit einer Geschwindigkeit von 64 km/h gegen eine verformbare Aluminiumbarriere, ebenfalls bei 40 Prozent Überlappung. Aus Kostengründen wird nicht jedes neu entwickelte Fahrzeug mit jeder erdenklichen Geschwindigkeits- und Gewichtsbedingung und jeder möglichen Crashkonstellation real getestet. Alle Fahrzeughersteller haben sich hier an konkrete gesetzliche und vereinbarte Testbedingungen zu halten. Dank Simulation wissen wir, was bei leicht gegenüber den Vorschriften geänderten Geschwindigkeiten passiert. Jetzt wollten wir aber mal schauen, ob virtuelle Realität und Praxis übereinstimmen. Eine sinnvolle Übung für einen angehenden Ingenieur der Fahrzeugtechnik.

Opel ADAM Crash-TestZur Vorbereitung haben wir die konkreten Maße und Gewichte unseres Probanden elektronisch ermittelt. Anschließend brachten wir den Referenz-Mittelstreifen an Front und Heck an. Außerdem kennzeichneten wir die Stelle, wo beim Versuch die mobile 1,4-Tonnen-Barriere auftrifft, die so genannte 40-Prozent-Linie. Dazu kommt eine Mittenmarkierung zwischen der Vorder- und Hinterachse. Außerdem muss die spezifische Standhöhe an den vier Radkästen exakt festgehalten werden. Diese Präparation erfordert höchste Präzision und nimmt deshalb alleine drei Stunden in Anspruch.

Opel ADAM Crash-TestDann ging’s endlich los. Der ADAM wurde sechs Mal von der mobilen Barriere „abgeschossen“: Links vorne und links hinten mit 23 km/h, rechts vorne und rechts hinten mit 30 km/h, die linke Seite mit 15 km/h und die rechte Seite mit 25 km/h. Die erstgenannten Tests sind im Grunde genommen RCAR-Crashs jedoch mit erhöhter Geschwindigkeit. Die genormten Seitenaufprall-Konfigurationen haben wir dagegen deutlicher modifiziert. Dabei ließen wir den Rammbock mit 15 bzw. 25 km/h im 90°-Winkel zentral zwischen die Radnaben rauschen, also mitten rein.

Von diesen Prüfungen erwarteten wir Antworten auf Fragen wie diese: Verhält sich der Versuchswagen wie geplant? Kann das Auto mit den aktuell freigegebenen Service-Ersatzteilen wieder fach- und sachgerecht instandgesetzt werden? Stimmt die Simulation mit dem Realtestablauf überein? Um diese und viele weitere Details zu klären, entstehen bei jedem der o.g. Crashs Unmengen von Fotos und Notizen, deren Auswertung eine Menge Zeit frisst. Welche Erkenntnisse wir gewonnen haben, dazu mehr im nächsten Beitrag.