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OSV 40 – Sicherheit in den Siebzigern

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40 Jahre Opel Safety Vehicle Ein Auffahrunfall mit einem Geschwindigkeitsunterschied von knapp 65 km/h hat in der Regel fatale Folgen – trotz ausgereifter passiver Sicherheitssysteme. Kein Vergleich jedoch mit früheren (Bau-)Jahren: Noch in den Siebzigern steckte der Insassenschutz in den Kinderschuhen. Einen großen Schritt voran brachte uns damals der OSV 40.

1974 zeigten wir auf der zweiten ESV-Konferenz (International Technical Conference on the Enhanced Safety of Vehicles) unsere Vorstellung von einem sicheren Kompaktwagen. Auf Basis des im Jahr zuvor präsentierten Kadett C durften sich unsere Insassenschutz-Experten mal so richtig austoben. Dabei war der – von den Ingenieuren selbst gewählte – Name Programm: OSV steht für Opel Safety Vehicle und die Zahl 40 für die Fontalaufprall-Geschwindigkeit in Meilen pro Stunde (also knapp 65 km/h), auf die der OSV 40 ausgelegt ist.

40 Jahre Opel Safety Vehicle Vor allem die voluminösen Stoßfänger fallen dem Betrachter im Vergleich zu den grazilen zeitgenössischen Blechstoßstangen sofort ins Auge. Deren absorbierende Eigenschaften rühren von der Füllung mit Polyurethan-Schaum. Darüber hinaus kommen schaumgefüllte Front-Längsträger zum Einsatz, die bei Aufprallgeschwindigkeiten von mehr als 8 km/h kontrolliert brechen. Bei Zusammenstößen unterhalb dieses Tempos fängt die Schaumstruktur so viel Energie ab, dass es zu keiner bleibenden Deformation kommt. Verstärkte Dachholme und die im Dach verankerten Rückenlehnen der Vordersitze erhöhen die Stabilität der Fahrgastzelle – ohne den Einstellbereich der Sitze zu beeinträchtigen.

40 Jahre Opel Safety Vehicle Auch das OSV-40-Cockpit ist ein wahrer Ausbund an Sicherheit. Vier hoch gesetzte und damit für den rückwärtigen Verkehr optimal sichtbare Zusatzleuchten hinter der Heckscheibe signalisieren Notbremsungen und dienen als Warnblinkanlage. Ein wirksames „Fahrerassistenzsystem“ ist der zweigeteilte Rückspiegel, dessen unterer Bereich den toten Winkel quasi eliminiert. Die Vordersitze sind so breit, dass sie eine durchgehende Abgrenzung zum Fond bilden. Die seitlichen Abstützungen verhindern bei einem Seitenaufprall den unliebsamen Kontakt von Fahrer und Beifahrer. Für Übersicht sorgen die minimalistisch ausgeführten Kopfstützen vorn genauso wie das aus Gurten konstruierte Rückhaltesystem hinten. Auf allen vier Sitzplätzen ist der OSV 40 mit Dreipunktgurten ausgestattet – vorne kommen sogar schon automatische Gurtstraffer zum Einsatz.

Bei den Crashtests erfüllte der OSV 40 alle Zielvorgaben: Nach dem Frontalaufprall mit Tempo 65 gegen eine feststehende Barriere ließen sich noch alle vier Türen ohne Zuhilfenahme von Werkzeugen öffnen. Der Vorderwagen nahm bei dieser Crashtest-Disziplin die Energie so gut auf, dass er sich durch die Kaltverformung um exakt 50 Zentimeter verkürzte. Beim frontalen 50 km/h-Crash gegen einen Mast konnte der OSV 40 ebenso überzeugen wie beim Heckaufprall, dem seitlichen Einschlag in einen Pfahl und dem Überschlagstest bei Tempo 48.

Übrigens: OSV steht heutzutage für unsere Opel-Special-Vehicle-Abteilung. Hier bauen wir serienmäßige Modelle ganz nach Kundenwunsch um – entweder zu individuellen Luxusmodellen, folierten Unikaten, Behörden- und Einsatzfahrzeugen oder zu Modellen mit Gasantrieb (Erdgas und Autogas).

Kommentare (20)

  1. Sehr spannend, danke und Daumen hoch!

    Was mich interessiert – gerade im Zusammenhang mit den Gewichtsdebatten – was hat denn der Mehraufwand an der Waage angezeigt? Kann man das noch nachvollziehen?

      • Hallo Herr Quanz, danke für den Kommentar, aber mich interessiert, wie hoch schätzungsweise (oder genau) das Mehrgewicht zum Serien-Kadett ausgefallen war. Die Zielwerte konnte ich schon auf der Mediaseite nachlesen.

  2. Auf der Opel-Media Seite steht: “Trotz der erweiterten Sicherheitsausstattung sollte das Fahrzeuggewicht unter der 1.000-Kilogramm-Marke bleiben.” Wie wäre es denn wenn man endlich auch beim Astra J daran denken könnte dieser Marke deutlich näher zu kommen!!!!!!!
    Der Astra K MUSS mindestens 150kg leichter werden alles darunter ist inakzeptabel!!!
    Also mehr als 1220kg sollten es nicht mehr sein beim Basismodell!

    • Also, Gewicht ist eine Sache die bei den neuen Assistenzsystemen sowie Formgebung und Materialien nicht so einfach zu realisieren sei.
      Es sei denn man nimmt Carbon oder voll Alukarosserie, das allein schon um 80-150kg Gewicht erleichterung bringt.
      Natürlich hat das auch sein mehrpreis.
      Zudem nimmt auch der Kabelbaum oder Steuergeräte Gewicht ein die bis zu 300-600kg inkl Lichtanlage wiegen.

      Selbst der Golf wird nicht leichter mit seine 1,3t, da tuhen sich beim Astra J die 1,3- 1,6 auch nicht viel. Ein 3er BMW wiegt doch auch schon um die 1,5t.
      Vllt kann man das Gewicht allein durch die Zentrale Steuergeräteverteilung und ein Daten Netz verkabelung um 150kg veringern. Jedoch bleibt das Gewicht bei dem Motor, Rädern, Karosserie leicht verfügbar.
      Selbst die Alus die eigentlich leichter sein sollten sind inzwischen aufgrund der Größe Schwerer als Stahlfelgen.
      Die Innenraum verkleidung sowie Amaturenbrett oder Türpappe wiegen inzwischen auch mehr aufgrund des Dämmschutzes.

      Außerdem müsste so ein kleiner opel Adam mit seine 1100kg doch auch abspecken oder?
      siehe Corsa B mit 800kg, leider kaum realisierbar durch die Technik.

      • Corsa B mit 800kg:

        Da mußte ich jetzt über meinen 97er Vogue schmunzeln:
        1.4 16V 90PS incl. Schiebedach und Klima, aber ohne Automatik und AHK – der hatte knappe 1.100kg auf der Waage! Im Schein (ohne Klima und SD als schwerste Sonderaustattung) stehen bereits 1.017 kg ;o)

      • Naja, der Golf und vor allem der Seat Leon sind deutlich leichter als der Astra J, nämlich im Falle des Seat bis zu 260kg(Leon 1113kg, Astra J 1373kg)!!! Also geht doch einiges!!! Und der 3er BMW ist ein größeres Auto, dass trotzdem nicht schwerer ist als ein Astra J! Und dann gibt es noch Mazda, der 6er hat trotz 4,84m länge 1375kg!!!!!!!!!

        • “1113 kg” ich les bei seat.de zum Leon (5-T) mind. 1188 kg.
          Und das ist nur ein 1.2-Liter-Motor.
          Ohne Klimaanlage ! Bei Opel ab Basis bereits Serie !!

          Mal abwarten was der Astra-K bringt. Der neue 1.0 T dürfte hier wohl auch Einzug erhalten !

          • War ein Testbericht! Also gemessene 1113kg, aber vielleicht ohne Fahrer(was nämlich genau stimmen würde)!!! Trotzdem sind es fast 200(!)kg!

  3. “…die im Dach verankerten Rückenlehnen der Vordersitze erhöhen die Stabilität der Fahrgastzelle..”

    Also das sieht ja ziemlich fies aus, könnte bei MadMax zum Einsatz kommen, für die ultraharten Ritte.

    • Der Vectra-A war laut Werbung von “Dr. Braun” und dem Cray-Computer konstruiert, suggeriert mit dem Gitternetz-Bild. In Wahrheit war darunter wohl noch allzu viel vom letzten Ascona, entsprechend hat er sich gefaltet.

      • Schon klar… Nur wenn bereits in den frühen Siebzigern so wegweisend geforscht worden und so zukunftsweisende Ergebnisse erzielt worden sind, dann ist es seltsam, dass es dann in den späten 80ern zu so mieserablen Ergebnissen kam….

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