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Astra Manta Motorsport OPC

24-Stunden-Rennen – Pleiten, Pech und … Siege

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Robin Strycek, Markus Oestreich, Volker Strycek, Moritz Oestreich (von links) Dass ich bei der 43. Auflage der 24 Stunden auf dem Nürburgring, meinem 38. Auftritt dort, als Doppelstarter ins Rennen gehen würde, war klar. Denn ohne den Fuchsschwanz-Manta mit Olaf Beckmann, Peter Hass, Jürgen Schulten und mir geht’s schon mal gar nicht. Das sind wir den Fans an der Nordschleife einfach schuldig. Darüber hinaus ergab sich eine Traum-Konstellation: Der Cup-Astra OPC, in der VLN-Meisterschaft mit Moritz Oestreich und meinem Sohn Robin unterwegs, wurde zur Familienkutsche. Ich machte nach einer halben Ewigkeit wieder gemeinsame Sache mit Markus Oestreich, meinem Teamkollegen aus der Opel-DTM-Epoche (Kadett und Omega). So hieß also die Besetzung von Startnummer 250 bei den 24h im Jahre 2015: Oestreich/Oestreich/Strycek/Strycek – kein Schreibfehler.

So weit so gut. Bis zum ersten Training lief alles in geordneten Bahnen. Zuerst qualifizieren wir uns alle in zwei Runden pro Nase, danach Zeitenjagd – so war der Plan. Als ich aber am Fernsehschirm mit ansehen musste, wie der Manta von einem Bentley „abgeräumt“ wurde, war schon Schluss mit lustig. Dazu kam die Meldung aus der Astra-Box: Aussetzer und Leistungsverlust.

Opel beim 24-Stunden-Rennen Nürburgring 2015 Dann das Nachtqualifying samt grandiosem Lagerfeuer-Ambiente. Dieser Zauber ist allerdings relativ, wenn dein Auto mit notdürftig reparierter Vorderachse läuft wie ein Dackel. Außerdem funktionierte am Manta nur noch ein Scheinwerfer, da auch der Kabelbaum durch den Crash beschädigt wurde, was niemandem vorher auffiel. Die halbe Nacht wurde gearbeitet, der Manta vermessen, der Kabelbaum repariert.

Währenddessen hatte der Astra trotz Aussetzern die Qualifikation geschafft. Obwohl keine Anzeichen von Defekten vorhanden waren, hatten wir alle Elektronikteile gewechselt.

Freitag 9:25 Uhr, drittes Qualifying, jetzt geht’s ums Prinzip, ums Prestige … und um die Startplätze. Bloß blöd, dass die Strecke feucht ist. Gegen Ende der Session wurde es doch noch (fast) trocken: P1 in der Klasse für den Manta und für den Astra.

Opel Astra beim 24-Stunden-Rennen Nürburgring 2015 Dabei gingen uns immer noch kleine Aussetzer beim Astra auf die Nerven. Was konnte das sein? So würden wir jedenfalls nicht über die Distanz kommen. Die Erleuchtung gab’s beim gemeinsamen Kaffeetrinken, als einer der Mechaniker erzählte, dass vor ein paar Tagen aus Versehen die Feuerlöschanlage ausgelöst wurde. Aha! Also, die gesamte Elektrik raus aus dem Auto. Jede Kabelverbindung öffnen, begutachten, reinigen und siehe da: Oxidationen am CAN-Bus-Stecker, ausgelöst durch das aggressive Löschmittel. Ohne einen Rennkilometer gefahren zu sein, war dieser Befund schon der erste Sieg an diesem Wochenende.

Auf zur Startaufstellung: Moritz steht im in 9:46 Minuten qualifizierten Astra schräg vor mir im Manta (9:53 Minuten). Fest angeschnallt muss ich mit anschauen, wie am Astra fieberhaft gearbeitet wird. 10-Minuten-Schild – Mechaniker immer noch am Auto, 5-Minuten-Schild – weiter intensives Werkeln, 3-Minuten-Schild – Strafe droht. Genau in dem Moment klatscht die Motorhaube zu, einer unserer davonhuschenden Jungs dreht sich um und hält in meine Richtung den Daumen hoch. Puh, das war knapp.

Opel beim 24-Stunden-Rennen Nürburgring 2015 Nach der immer wieder beeindruckenden Einführungsrunde mit all den erwartungsfrohen Fans im Blick geht’s gleich prächtig los: Moritz führt die dritte Startgruppe an, ich direkt dahinter und ab in die Hatzenbach, Flugplatz, Schwedenkreuz … Aber was ist das? Moritz verliert Benzin hinten rechts, immer in Linkskurven. Ich funke an die Manta-Box, damit die dem Astra-Team Bescheid geben können. Maßnahme: vorgezogener Tankstopp. „Da klemmt bestimmt das Tankbelüftungsventil“,  rufe ich noch hinterher.

Mein erster Manta-Turn war toll, wir führen mit 1:50 Minuten Vorsprung die SP3-Klasse (Zwei-Liter-Sauger) an. „Alles okay Peter, Auto perfekt, pass aber auf, leicht ziehender Regen“, teile ich meinem Partner mit, während ich ihn anschnalle.

Opel beim 24-Stunden-Rennen Nürburgring 2015 Es folgt mein erster Turn im Astra, der in Cup 1 ebenfalls in Führung liegt. „Tankbelüftung kontrolliert, Ventilcheck auf die Schnelle nicht möglich“, lautet der Übergabebericht. Naja … Prompt heißt es in der siebten Runde: „Noch eine Runde, dann Box, Box, Box, Vorsprung 1:30 Minuten.“ Im achten Umlauf komme ich aus dem Schwalbenschwanz, will einlenken in die nächste Rechts, plötzlich ein Ruck, Motor aus – alles vorbei?! Zum Glück bin ich am Streckenposten, Einfahrt Döttinger Höhe, ausgerollt. So kann mich die Sicherheitsstaffel direkt von der Strecke ziehen. Ich schnalle mich ab, laufe zur Bundesstraße und bettele jeden, der gerade vorbei kommt, um Benzin an. „Klar doch“, ruft eine junge Frau von der Seite, „ich hab Sprit für meinen Rasenmäher dabei, kannste haben.“ Rasenmäher? Egal, her damit. Unser Auto kann das vertragen, vielen Dank. Unglaublich, Motor springt an, ich zurück auf die Strecke und ab in die Box, Fahrerwechsel, Volltanken und weiter geht’s mit einem Rückstand von 10 Minuten.

Von da ab war es ein Bilderbuch Rennen, beide Autos liefen ohne Probleme. Um wieder an die Spitze ranzukommen, gingen wir volles Risiko, spulten Qualifying-Rundenzeiten ab und rückten der Konkurrenz so Sekunde für Sekunde auf den Pelz. Aus 10 Minuten wurden in der Nacht 5 Minuten. Am Morgen waren wir wieder auf Schlagdistanz und bald darauf in Führung. Dabei blieben unsere Junioren cool wie abgezockte Profis. Markus und ich, die stolzen Papas, waren echt begeistert.

Opel beim 24-Stunden-Rennen Nürburgring 2015 Der Manta spulte im ständigen Schlagabtausch mit einem besonders hartnäckigen Widersacher eine schnelle Runde nach der anderen ab. Mal wir vorne, mal der Clio – so ging das 18 Stunden lang. Dann der Funkspruch von Peter: „Hinterachse läuft schief, wir haben ein Problem, ich komm rein.“ Oh nein … in der Box sahen wir, dass „nur“ die Zugstrebe der Hinterachse gebrochen war. Neun Minuten später war die Sache erledigt und das Auto wieder auf der Strecke. Die Quittung: tobender Applaus von den Rängen und auch die Kollegen aus der Nachbarbox zogen den Hut. Das tue ich hiermit auch: Jungs, Ihr wart einfach KLASSE!

Opel beim 24-Stunden-Rennen Nürburgring 2015 Der Zieleinlauf am Sonntag um 16:00 Uhr war schon sehr emotional. Die 24 Stunden in der grünen Hölle zu überstehen, ist ein Triumph. Zu gewinnen ist grandios, einen Doppelsieg (Astra: 31. Rang gesamt – Manta: 52.) zu feiern, ist unfassbar. Das alles mit dem Junior an meiner Seite ist einfach nur genial. Kann es etwas Schöneres geben?

Kommentare (16)

  1. Neun Minuten (all inkl. !!!) für die Hinterachs-Zugstrebe – das ist ja mal ne Ansage für die Arbeitszeitrichtwerte in den FOH-Werkstätten. Respekt. Werde “meinen” Serviceleiter demnächst drauf ansprechen, wenn mein Cali nen neuen Zahnriemen braucht. Den Tausch schaffen die Jungs da sicher in weniger als endlosen neun Minuten. Sagen wir in 8:44.833 😉 (= fastest lap Astra) Und immer schön weiter reparieren den Manta, bis er vom neuen Mantibra abgelöst wird…

    achso und nu is ja auch klar, warum ich keinen Feuerlöscher im Auto habe…

  2. Herzlichen Glückwunsch zum Doppelsieg! Und danke für den schönen Bericht ( da hatte der Mod. im Mokka-Beitrag wohl etwas tiefgestapelt 🙂 )!
    Schön, dass mit den Cup-Astras die Marke Opel wieder häufiger im Feld zu sehen ist (+ Astra H GTC und Astra F, nicht zu vergessen) und den Manta zu sehen, ist sowieso jedes Jahr fast wie Weihnachten…
    Schon mal alles Gute für den 39. Auftritt (natürlich mit Manta); einen besseren Botschafter kann Opel sich nicht wünschen!

  3. @Volker Strycek: Danke für den Super-Bericht mit den interessanten Hintergrundinfos!!

    Daumen Hoch den Teams!!

    Aber auch Doppelt Daumen Hoch dem Manta!!!
    Auf knapp über 20km lediglich 7s (!!!) langsamer als der Cup-Astra … … und das alles ohne Helferlein wie Servo & Co … … RESPEKT!!!

    Wenn es im nächsten Jahr vielleicht noch einen Opel-24h-Rennen-Live-Zwitscherer am Wochenende gäbe, der die ein oder andere obige Info dann wirklich live verbreiten würde … *träum* … da würde die Sport1 bzw. www-Übertragung noch interessanter für die Opel Fans unter den Zuschauern sein.

  4. @Volker Strycek: Auch von mir ein Danke für diesen tollen Bericht.

    31. Platz alle Achtung 🙂 Und nur wenig langsamer als der schnellste M235i.
    Dass der Manta in seiner Klasse gewonnen finde ich toll.

    PS: Wäre nur schön, wenn Opel mal wieder bei den Großen mitmischen würde(wie 2003 -> Dass war ein TRAUM, Audi besiegt 🙂 )

    • Auch von mir Glückwunsch!!! Auch ich wünsche mir mal wieder neun Gesamtsieg bzw. das Mit kämpfen darum – laßt knacken mit nem Astra OPC Allrad-Monster oder nem Insignia GT3

  5. @Volker Strycek
    Wie immer eine Grandiose und Spannende Berichterstattung.
    Glückwunsch zum Doppelsieg.
    Schon mal Gedacht Bücher zu Schreiben?
    Ich hab Höllischen Respekt von der Leistung und Hingabe zum Rennsport und wie ihr Opel treu bleibt.
    Nächstes Jahr stellst du die Grüne Hölle im Manta oder Astra vor 🙂
    Vorallem könntet ihr eine Livestream oder Live Berichterstattung hier im Blog anbieten. So können die Opel Fans mitfiebern. Die Vodafone Lösung finde ich auch sehr Nett. Die Cockpitkamera Zeigt die derzeitige Situation auf der Strecke. Und eine Opel Motorsport Presse Zeigt Grob den ablauf…
    Hoffen wir, das die Nächste Generation OPC in ein bis zwei Jahren auf dem NR Einschlagen wird wie eine Bombe und es unter den P20 – 30 zu kommt 🙂

  6. ” ein hoch auf Uns – auf unseren Manta!” nicht zu vergessen das in der Zeit , wo am Manni geaschraubt wurde , auch der Tank mit Kraftstoff befüllt wurde 🙂
    !!! EINE STARKE TRUPPE !!!

  7. Ein toller Bericht, absolut tolles Rennen und eine Top-Mannschaft! Ich habe mich jedes Mal gefreut, wenn der Manta zu sehen war oder einer der Cup-Astras! Opel MUSS dem Motorsport treu bleiben und sein Engagement mit steigendem Erfolg auch ausbauen! Ich würde mich freuen, eines Tages Opel wieder in der DTM zu sehen (vielleicht mit dem Design eines Insignia Coupe). Ich bin auch sehr gespannt, was aus den nächsten OPC Modellen wird, sowohl für die Straße also auch die CUP/Rally-Versionen!
    @Volker Strycek: Stimmt es, dass Opel bereits nächstes Jahr einen CUP-Renner auf Astra K Basis einsetzt, wie es aktuell in der Sport Auto Berichterstattung der neuen TCR-Serie zu lesen ist? Das wäre ja gewichtstechnisch und somit Fahrdynamisch ein Quantensprung im Vergleich zu dem schon sehr guten Astra CUP!
    Ich persönlich hege noch den Wunsch, dass man mal einen Astra OPC mit Semi-Slick Bereifung zum Supertest schickt, um nochmals deutlich zu zeigen, dass “wir” ganz vorne mit dabei sind 😉
    Ansonsten: Weiter so: Mit der Berichterstattung und natürlich der Entwicklung von so tollen Autos!!!

  8. Glückwunsch zum tollen Ergebnis .
    Sehr schöner Bericht . Macht Spaß zu lesen 🙂

  9. Ein fulminanter Platz 31 für den 2-Liter Astra OPC und Platz 52 für den Kult-Rochen schlechthin, einfach ein unglaubliches Ergebnis! Herzlichen Glückwunsch zu dieser grandiosen Leistung, ein absolut fantastisches Team! Danke, danke!
    Ich freue mich einfach riesig, wieder mehr Opel-Fahrzeuge auf den Rennstrecken zu sehen (der Rallye-Adam ist ja auch sehr erfolgreich), und der rasende Fuchsschwanz zaubert mir einfach nur ein riesen Grinsen ins Gesicht!

  10. Ist ja schon alles gesagt, wirklich ein toller Erlebnisbericht, bei dem man beim Lesen das Gefühl hat auf der Rückbank gesessen zu haben. Mir fielen da die Geschichten des Fritz B. Busch ein, die ich auch immer verschlungen habe. Wenn du mal Rentner bist Volker, was bei uns beiden ja nicht mehr lange dauert

  11. @Volker Strycek: Nochmals herzlichen Glückwunsch zu diesem tollen Erfolg.
    Es war wieder mal grandios euch live zu bestaunen!
    Ihr macht das absolut richtig…der Manta muss auch in den nächsten Jahren an den Start gehen.

  12. Ja, Spitzen-Reportage. Wie geht’s denn dem Manta heute so? Wer kümmert sich zwischen den Rennen um das Auto? Von wann stammt der Kultwagen? Welche Teile sind daran noch original?