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Astra Entwicklung Interieur

Opel-Sitzchef packt aus – Milliarden-Geschäft

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Über 115 Jahre Opel-Sitztradition verpflichten – erst recht in einer Phase, die im Zeichen der neuen Astra-Generation steht. Deshalb wollen und werden wir den Kunden im K etwas ganz Besonderes bieten. Das bestätigt Andrew Leuchtmann, der schon vor 33 Jahren als Auszubildender und Berufsschüler bei Opel in Rüsselsheim begann und der heute im ITEZ für die Sitzentwicklung bei GM Europe verantwortlich zeichnet. Unter anderem trägt das besonders ergonomische, von der „Aktion Gesunder Rücken“ (AGR) ausgezeichnete Gestühl seine Handschrift. Den ebenso informativen wie unterhaltsamen Gesprächstermin mit dem äußerst sympathischen und zugänglichen Opel-Sitzchef haben wir in zwei Beiträgen aufbereitet. Hier das Leuchtmann-Interview, Teil 1:

Globale Verantwortung für Sitzstrukturen – Segen oder Fluch?

Für die Opel-Sitze verantwortlich: Andrew LeuchtmannVon beidem etwas. Vor allem aber empfinden mein Team und ich es als eine Ehre, diese Aufgabe wahrnehmen zu dürfen. Das Sitzstrukturteam in Rüsselsheim ist dabei nicht nur für die Konstruktion der Bauteile zuständig, sondern auch für Erprobung und Qualitätssicherung, Festlegung der Lieferanten, Budget-Beschaffung, Kostenkontrolle, Produktionsfreigaben, effiziente Nutzung der globalen Werkzeugsätze, für die Umsetzung aller technischen Änderungswünsche der internen Kunden und nicht zuletzt für die ständige Weiterentwicklung respektive Optimierung der Sitze mit dem klaren Ziel, die führende Rolle im Markt zu verteidigen. In Zahlen ausgedrückt: das Opel-Sitzstrukturteam hat 2014 die globale Entwicklung und Produktion von rund 15,6 Millionen Vordersitzstrukturen und 5 Millionen Rücksitzstrukturen verantwortet. Wir reden da über ein Umsatzvolumen von circa 1,4 Milliarden Dollar.

In welcher Entwicklungsphase steigen Sie ein?

Schon bei den ersten Gedankenspielen zu einem neuen Fahrzeug sind wir involviert, da insbesondere die dimensionale Integration und Positionierung der relativ voluminösen Sitze von Anfang an berücksichtigt werden müssen. Zudem haben unsere Komponenten großen Einfluss auf Insassenergonomie, Fahrzeugbedienung, Sicherheitskonzept und Gewicht des neuen Modells. Die Entwicklung der passenden Sitzlandschaft dauert prinzipiell genauso lange wie die Entwicklung des Gesamtfahrzeugs – das Astra K-Projekt begann für uns also vor knapp fünf Jahren.

Opel Astra K Design-Skizze Opel Sitz: Virtuelle Simulation

Was macht einen Sitz so komplex?

03_Sitzeinzelteilel Mit einem modernen Fahrzeugsitz müssen wir viele, teilweise widersprüchliche Ziele erreichen. Da ist zuallererst die Hauptrolle als Sicherheitsbaustein im Gesamtfahrzeugkonzept. Nur wenn der Sitz im Falle eines heftigen Aufpralls auch einen besonders großen und schweren Mann sicher in Position hält, können Rückhaltesysteme wie Gurte und Airbags ihre Funktion erfüllen. Diese Stabilität wollen wir bei minimalem Gewicht erreichen. Das erfordert den Einsatz modernster Materialien, Stichwort: höchstfeste Stähle, und der jeweils ausgeklügeltsten Berechnungsverfahren. Selbstverständlich muss der Sitz als zentrale Schnittstelle zwischen Fahrer und Fahrzeug auch komfortabel und ergonomisch optimiert sein – weshalb wir genügend Bauraum für schwingungsdämpfenden Hightech-Schaum benötigen.

SitzinnenlebenDas wäre ja alles halb so wild, wenn der Sitz nicht auch noch unzählige weitere Bauteile beherbergen würde. Denken Sie nur an die Motoren für die elektrischen Einstellmöglichkeiten, an so nette Komfortelemente wie die pneumatische Lordosenstütze oder an die Matte für die neue, im K optionale Massagefunktion. Dazu kommen Seitenwangeneinstellung, Heizung und Belüftung oder die Sitztiefenregulierung. Platzfresser sind auch Seitenairbags, Gurtstraffer und Belegungssensoren. Und nichts geht ohne Kabelstränge, Elektronikboxen, Schalter und Stecker. Letztendlich soll alles auch noch hübsch aussehen. So kümmert sich der Sitzkonstrukteur auch um hoch belastbare Sitzbezüge und allerlei Kunststoffverblendungen.

Wodurch zeichnet sich der typische Opel-Sitz aus?

Zum Opel-Feeling gehört die langstreckentaugliche Körperunterstützung, also eine angenehme Konturierung und Seitenführung. Unsere Sitze sind vergleichsweise straff ausgelegt und eignen sich so auch zum sportlichen Fahren. Zudem zeichnen sich unsere Produkte durch die größten Einstellwege in Länge und Höhe sowie die meisten individuellen Justiermöglichkeiten in der jeweiligen Klasse aus. Nicht umsonst können wir in fast jedem Fahrzeugsegment zumindest einen Sitz mit AGR-Gütesiegel anbieten.

Was haben ein KARL- und ein Insignia-Sitz gemeinsam?

Die Sitzstruktur, also das tragende Fundament, ist in der Tat bei beiden Architekturen konzeptionell identisch. Das Insignia-Exemplar (siehe unten) hat lediglich eine etwas breitere Sitzkissenaufnahme samt Schienenspur – was auch den Passagier-Fußraum hinten erweitert.

Opel Insignia: SitzperfektionMan muss sich ja nur vor Augen halten, dass die Dimensionsbandbreite der Kunden immer gleich ist, egal ob sie KARL oder Insignia fahren. Außerdem sind die gesetzlichen und die in der Regel darüber hinaus gehenden internen Opel-Sicherheitsanforderungen immer identisch. Den zweifellos spürbaren Unterschied zwischen den beiden genannten Sitzen machen eigentlich nur die oben genannten Komfortkomponenten aus. Das steckt auch hinter den höheren Preisen des Insignia-Gestühls – bei ähnlich günstigem Preis-Leistungs-Verhältnis, wohlgemerkt.