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Entwicklung Interieur Test

Sitztest – Die mit den Robotern tanzen

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Seit Oktober steht der neue Astra bei den Händlern. Nur zu, vorbeischauen, alle mal Platz nehmen – der hält das aus. Dafür steht Holger Kieslinger gerade. Der Test-Ingenieur überwacht seit nunmehr sechs Jahren die Solidität und Funktionstüchtigkeit unserer Sitze. Hier gewährt er Einblicke ins ITEZ-Versuchslabor:

ReibsatteltestDie Exemplare dort drüben nimmt man besser nicht in Beschlag – das würde Bernd, Werner, Oliver und Marius bei ihrer Arbeit stören. So heißen die vier Prüfroboter, die mit den Dauerbelastungstests der Vorder- und Rücksitze betraut sind. „Statt einer alphanumerischen Bezeichnung zogen wir es vor, den Kollegen aus Metall eine persönliche Note zu verleihen“, schmunzelt Holger Kieslinger. „Bernd“ beispielsweise ist nach dem Mitarbeiter benannt, der für die elektrische Planung und Verkabelung des Prüffeldes verantwortlich zeichnet. Und „Marius“ trägt den Namen des Sohns von Michael. Das ist der Mechaniker, der die Sitzaufbauten betreut. Alles klar? 😉

ReibsatteltestAusgestattet mit sogenannten Reibsätteln gehen die Roboter dem Gestühl in klar definierten Prüf-Prozeduren ans Leder respektive an den Bezugsstoff. Der Reibsattel trägt eine jeansähnliche Oberfläche und darunter eine Schaumstoffschicht, die der menschlichen Muskulatur nachempfunden ist.

Um die Probanden an ihre Grenzen zu bringen, stellt das Roboter-Quartett 50.000 Ein- und Ausstiegszyklen nach. Dabei wird mit voreingestellten Belastungskräften von rund 1.000 Newton über die Sitze gerubbelt. Das ist aber noch nicht alles. Schließlich verändert man ja während der Fahrt gerne mal seine Sitzposition, von Schlaglöchern und Kopfsteinpflaster ganz zu schweigen. Deswegen werden Sitzkissen und Lehne pro Test-Zyklus auch 100.000 Reibebewegungen und 300.000 Pulsstößen ausgesetzt.

Zu den Kriterien der Sitzentwickler gehört, ob Bezug und Polster die Tortur überstehen, ob Nähte halten, der Schaum formstabil oder die Heizungsdrähte intakt bleiben. Auch die Seitenblenden und die innenliegenden Strukturteile – beispielsweise die Drahtmatte – werden  einer Begutachtung unterzogen.

Messung der Sitzdruckverteilung„Ehe wir ein zufriedenstellendes Ergebnis erreichen, werden pro Ausstattungslevel in der Regel mehrere Sitze verschlissen“, erklärt Kieslinger. Nach jedem Test müssen auch die Bezüge der Reibsättel ausgetauscht werden, während die „Muskulatur“-Schicht bis zu fünf Zyklen schafft.

Auf welcher Grundlage werden die Bewegungen der Roboter eigentlich programmiert? „Dahinter stehen personenbasierte Studien. Die Sitze legen wir dazu mit einer speziellen Matte aus, so dass wir die Abdrücke beim Ein- und Aussteigen nachvollziehen können“, so Kieslinger.

Neben den vier Robotern werkeln im ITEZ-Versuchslabor eine Reihe weiterer Anlagen mit pneumatischen und hydraulischen Zylindern. Ist am einen Prüfstand die „Easy Entry“-Einstiegshilfe eingespannt, wird wenige Meter weiter eine zweite Sitzreihe permanent umgeklappt. Dabei stehen Reiberscheinungen und die Verschleißbelastung des Schlosses im Fokus.

Ob AGR, manuell, Komfort, Sport oder elektrisch – jede unserer Sitzgelegenheiten muss die Roboter-Tanzprüfung bestehen. Also: Nehmen Sie Platz, machen Sie sich’s bequem.

Verbrauchs- und Emissionswerte: Weitere Informationen können dem ‚Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch und die CO2-Emissionen neuer Personenkraftwagenʻ entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der DAT Deutsche Automobil Treuhand GmbH unentgeltlich erhältlich ist.