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Erhard Schnell: GT Concept. In bester Tradition

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Die Glastür des Starling Hotels in Genf fährt zur Seite. In der Lobby herrscht reges Treiben. Mein Blick huscht über den Boden, auf dem sich eine schmale rote Linie entlangschlängelt. Das weckt den Pfadfinder in mir. Ich folge ihr gespannt und erreiche das Untergeschoss. Wie bei Google Street View führt mich die Markierung zu meinem Ziel, der Vorab-Premiere des Opel GT Concept. Ein Traum auf vier Rädern erwartet mich am Ende des Pfads. Flach wie eine Flunder. Vom roten Reifen aus entfacht sich die rote Signaturlinie des Konzeptfahrzeugs bis ins Heck und verbindet das präzise, formvollendete Glasdach mit dem Chassis. Im Hintergrund prangert ein riesiges GT Logo an der Sichtbetonwand. So markiert man sein Revier.

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Mein erster Termin an diesem Morgen dreht sich jedoch nicht um unseren Sportwagen der Zukunft, sondern um den historischen aber im damaligen Kontext nicht minder progressiven GT aus dem Jahr 1968. Der legendäre Zweisitzer des damaligen Chefdesigners Erhard Schnell revolutionierte die Welt der Sportcoupés mit einer ganzen Reihe von ungewöhnlichen Gestaltungs- und Konstruktionsmerkmalen. Der 87-Jährige wurde 1964 mit der Entwicklung des Experimental GT beauftragt. Das Ergebnis: Ein flacher Sportler mit weit in das Dach hineingezogene Türen, einem von formschönen Rundungen geprägten Heck, wuchtigen Radhäusern, einer schlanke Taille und Klappscheinwerfern.

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Etwas abseits der Bühne steht ein kleiner Tisch mit Copics und Sketching-Papier. Dort treffe ich Erhard Schnell, den Vater dieser Ikone der Automobilgeschichte. Eine tolle Gelegenheit, denke ich, und bitte den damaligen Leiter des Designstudios um eine kleine Skizze.

Opel GTDie Finger werde er wohl nie vom Zeichenstift lassen können, verrät mir der 87-Jährige. Ich frage, was er vom GT Concept halte. Schnell ist stolz, dass Opel die große Studien-Tradition der Marke fortführt, die 1965 auf der IAA mit dem Experimental GT begann. Ein Jahr zuvor hatte Opel das erste und größte eigene Designstudio eines Herstellers in Europa eröffnet. “Damals redete natürlich noch niemand von Designern und Designstudios. Ich war studierter Gebrauchsgrafiker und arbeitete in der Entwurfsabteilung von Opel”, erinnert Schnell. In den kommenden Jahren entwickelte er die Abteilung zu einer europäischen Schule für Automobildesign, in der Designer und Visionäre abseits von den Arbeiten des Alltags die Gestalt zukünftiger Automobile erforschten und mit dem Experimental- wie auch dem folgenden Serien-GT echten Pioniergeist bewiesen.

Opel GTUm so mehr freut es den damaligen Studioleiter, dass Opels Konzeptfahrzeug eine Hommage an seinen Opel GT ist und freut sich trotz aller Avantgarde und Eigenständigkeit zugleich über das ein oder andere Designzitat in Richtung Ur-GT: Die lange Motorhaube, der Verzicht auf eine Kofferraumklappe, der zentral angeordnete Doppelauspuff und selbstverständlich der Name nehmen Bezug auf den Ur-GT.

Einen Klappscheinwerfer im Hier und Jetzt könne sich Schnell jedoch nicht mehr vorstellen. “Beim Design der GT Concept Scheinwerfer hat das Team um Mark Adams tolle Arbeit geleistet. Der Ausblick auf den Opel Scheinwerfer der nächsten Fahrzeug-Generation führt die Designsprache bestehender Modelle fort und zeigt zugleich die nächste Entwicklungsstufe der Matrixlichttechnologie“, lobt der pensionierte Designer.

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Der Draht zu Rüsselsheim ist nie abgebrochen. So verbindet Schnell noch heute eine Freundschaft mit Adcanced Design-Direktor Friedhelm Engler, dessen Karriere bei Opel sich noch kurz mit der des damaligen Designchefs überschnitt bevor dieser mit einer langen Liste an Opel Stilikonen wie dem GT, dem ersten Corsa oder dem Calibra in den Ruhestand ging. So wurde der in Südhessen sesshafte Pensionär hier und da auch von Engler zu einzelnen Projektstatus-Meetings eingeladen.

Opel GTOpel verfügt über ein reiches Erbe und große Fähigkeiten bei der Entwicklung von Visionen für die Mobilität der Zukunft. Der Experimental GT war damals Avantgarde und der GT Concept ist es heute wieder – absolut klar, minimalistisch und kompromisslos. Unser Genfer Schmuckstück zeigt eindrucksvoll die kontinuierliche Weiterentwicklung unserer Design-Philosophie und stellt eindrucksvoll unter Beweis, wie der Sportwagen der Zukunft aussehen kann.

Zu diesem wurden hier im Blog ja auch viele Fragen gestellt und genau diese habe ich unverblümt an Friedhelm Engler und Mark Adams gestellt. Darüber werde ich dann in meinen nächsten Beiträgen berichten. Stay tuned.

*Weitere Informationen können dem ‚Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch und die CO2-Emissionen neuer Personenkraftwagenʻ entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der DAT Deutsche Automobil Treuhand GmbH unentgeltlich erhältlich ist.