avatar

Astra Manta Motorsport OPC

24-Stunden-Rennen: Blut ist dicker als Wasser

,


Opel Astra OPC beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring 2016 Das 24-Stunden-Rennen 2016 ist schon wieder Geschichte. Aber was für eine! Wenn es nach mir ginge, würde ich mit meiner Tochter Lena und meinem Sohn Robin bis zum jüngsten Tag um die Nürburg fegen. So viel Freude hat mir das Nordschleifen-Abenteuer im selbst aufgebauten und vorbereiteten Astra OPC bereitet – wahrlich ein tolles Kapitel unserer Motorsport-Familienchronik. Fürs Protokoll: Team Strycek erreichte bei der 44. Auflage der 24h Nürburgring den zweiten Platz in der Klasse V2T und den 61. Rang im Gesamtklassement (160 Starter).

Kult: Opel Manta beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring 2016 Wenn einem so viel Gutes widerfährt, lässt sich das Leid in Sachen Manta eher ertragen. Besonders leid tut es mir um die wieder einmal phänomenalen Fans, die sich so sehr auf die große Fuchsschwanz-Show gefreut haben. Aber, aber, aber – der Manta stand allzu früh irreparabel in der Box. Während Olaf Beckmann & Co. in den Vorjahren nahezu jedes technische Malheur ausmerzen konnten, war diesmal wirklich nichts mehr zu machen. Vergeblich versuchten wir, nach der Hagelunterbrechung zum Neustart zu fahren – die Kupplung trennte nicht mehr. Dabei hatte ich bis zum Rennabbruch keinerlei Probleme.

Kult: Opel Manta beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring 2016 Zunächst dachten wir: Getriebe raus, Kupplung erneuern und fertig ist die Laube. Pustekuchen! Casus knacksus war die Getriebeglocke, die komplett gerissen war. Deshalb wurde die Kupplung über den hydraulischen Nehmerzylinder bis in den Exitus gedrückt. Einfach eine andere Getriebeglocke nehmen – es gab tatsächlich Fans an der Strecke, die dafür ihren Privatwagen geschlachtet hätten … herzlichen Dank nochmal für dieses wohl einzigartige Engagement – war auch keine Lösung. Die Glocke hätte vorher bearbeitet werden müssen, um den Hydraulik-Zylinder aufzunehmen, und das war ohne die entsprechende Spezialmaschine nicht möglich. Ende der Fahnenstange. Aber keine Sorge – wir lassen uns nicht unterkriegen, der Manta-Start beim 24-Stunden-Rennen 2017 ist fest eingeplant.

Opel Astra OPC beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring 2016 Währenddessen lief unsere „Familienkutsche“ wie ein Uhrwerk. Lena und Robin machten einen klasse Job. Die beiden spulten eine schnelle und gleichzeitig sichere Runde nach der anderen ab. Dies auch dann, als auf der Nordschleife (Wetter-)Chaos pur herrschte. Bei Dunst, Nebel, Dunkelheit und verschiedenen Temperaturen, bei ständig wechselnden und extrem schwer einzuschätzenden Streckenverhältnissen, bei Hagel und allen Sorten von Regen kreiselten Rennwagen und Piloten aller Güteklassen reihenweise in die Botanik. Der Strycek-Astra hingegen blieb unbeirrt auf Kurs – Blut ist halt doch dicker als Wasser. 😉

Lena und Robin Strycek mit dem Opel Astra OPC beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring 2016 Dabei bestritt Lena das erste 24-Stunden-Rennen ihres Lebens, Robin das vierte und auch für mich war das eine Premiere. Schließlich nahm ich die Herausforderung, die dieses ganz besondere Rennen immer wieder darstellt, zum ersten Mal im Kreis meiner Familie an. Das Gefühl, mit den eigenen Kindern durch die „grüne Hölle“ zu fahren, ist schlicht unbeschreiblich.

Opel Astra OPC beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring 2016 Eine äußerst verantwortungsvolle Entscheidung musste ich schon vor dem Start treffen: Welche Reifen? Der Himmel schwarz, die Fahrbahn trocken und die Wetter-App … Schwamm drüber, das muss aus dem „Nürburgring-Bauchgefühl“ kommen – also Intermediates (geschnittene Slicks). „Bist Du sicher, Papa?“, fragte Lena, die für die Startphase eingeteilt war. „Und warum fährst Du dann auf dem Manta Slicks?“ Nun ja, weil es für den Manta keine Intermediates gab!

In der zweiten Rennrunde habe ich mich über meine vermeintliche Fehlentscheidung geärgert: Strecke pulvertrocken, Regen Fehlanzeige. Wie kann man nur so blöd sein, fragte ich mich und war mir sicher, dass Lena in unserem Astra tobt. Bis zur dritten Runde, dann wendete sich das Blatt: Platzregen eingangs Schwedenkreuz, mit Mühe und Not konnte ich den Manta auf der Strecke halten. Das Wasser stand so hoch, dass ich im ersten Gang dahinkroch. Gleichzeitig freute ich mich über … doch nicht so blöd, jetzt kommt Lenas Zeit.

Dann der Funkspruch: Rennabbruch! Kurz zuvor hatte Hagelschlag für unzählige Abflüge von der eisig weißen Fahrbahn gesorgt. Der eine oder andere Teilnehmer kam mangels Traktion nicht mal mehr die Fuchsröhre hoch. So etwas habe ich noch nicht erlebt. Dabei kann ich immerhin auf 39 Einsätze beim 24-Stunden-Rennen zurückblicken.

Opel Astra OPC beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring 2016 Nach dem Neustart machten die Wetterkapriolen den Boxenmannschaften zu schaffen – ständiger Wechsel zwischen Slicks, harten und weichen Regenreifen, bis die Strecke in der Nacht endlich abtrocknete. Apropos Boxenmannschaft: Unsere Freunde und Bekannten, die zum ersten Mal eine solche Mammutveranstaltung bestritten, lotsten uns fehlerfrei über die Distanz. Hut ab!

Genial war auch der Astra OPC. Egal welcher Reifen, egal welche Bedingungen, das Auto war immer präsent. Das Chassis lieferte jederzeit ein Grip-Level, das uns in die Lage versetzte, wohlkalkulierte Attacken zu fahren. Wohlgemerkt: Dieses Auto ist mit den serienmäßigen CDC-Dämpfern bestückt. Ich war immer überzeugt, dass unser Serien-Fahrwerk motorsporttauglich ist. Den Beweis konnte ich nun mit Hilfe von Lena und Robin liefern.

Opel-Team Strycek mit Mäggy Strycek (stehend hinter Volker Strycek) beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring 2016 Last but not least möchte ich meine ganz persönliche Superheldin küren: Während wir unserem nicht ganz ungefährlichen Hobby frönten, hatte meine Frau Mäggy emotionalen Dauerstress. Den konnte sie durch ihren insgesamt 38-stündigen Dauereinsatz etwas kompensieren. Danke für die Koordination, Organisation und Versorgung der Mannschaft und vor allem danke, dass Du uns Drei ertragen hast. 😉 Dafür gehen mir die Superlative aus, die Pokale hast Du verdient.