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Design Entwicklung Interieur

Damenwahl – Colour & Trim-Chefin bekennt Farbe

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Über Farben lässt sich trefflich streiten. Davon zeugen nicht zuletzt die Kommentare hier im Blog. Entwickelt werden die Lack-, Verkleidungs- und Polstertöne teilweise drei bis vier Jahre im Voraus. Belinda Günther leitet die Abteilung Colour & Trim bei Opel. Die gebürtige Schwarzwälderin wusste schon als Kind, dass sie diese Richtung einschlagen wollte. Folgerichtig hat sie an der Fachhochschule in Pforzheim Modedesign studiert. Mit mir sprach die 37-jährige Farben-Chefin über Inspirationen, Trends und ihren Arbeitsalltag.

Opel Chief Designer Creative Design Belinda Günther

Wie bist Du in die Autowelt geraten?
Purer Zufall – ich saß gerade an den letzten Zügen meiner Diplomarbeit, als die Assistentin aus dem Modefachbereich mir erzählte, dass ein großer Originalausrüstungshersteller im Ausland jemanden suche, der nicht Transportation Design studiert habe. Ich bewarb mich im Februar 2003 und hatte im Mai meinen ersten Arbeitstag. Seitdem, jetzt also schon 13 Jahre, bin ich in der Autoindustrie und seit 11 Jahren bei Opel.

Wie kommst Du in dieser Männerdomäne zurecht?
Bei Opel arbeiten ungefähr 400 Mitarbeiter im Design und speziell der Colour & Trim-Bereich wird eher von Frauen beherrscht. Er ist wie eine kleine Insel, wo nur ab und zu mal ein Mann sitzt (lacht). Mit Vorurteilen hatte ich nur einmal zu tun. Das war relativ früh in meiner Laufbahn und ließ sich zum Glück schnell klären.

Was reizt Dich besonders an unserer Branche?
GT Concept: Vom Sketch zur Studie
Zunächst einmal das Produkt an sich. Autos sind wahnsinnig komplex und haben mein Leben geprägt. Ich verbinde Mobilität mit Freiheit. In meinem Heimatdorf war ich auf Bus und Bahn angewiesen, bis ich mit 16 den Rollerführerschein machen durfte. Wenn man in der Automobilindustrie arbeitet, realisiert man, dass die Entwicklung eines Fahrzeugs länger dauert als man denkt. Nicht zuletzt weil sich ja auch unsere Kunden und die Gesellschaft verändern. Da ist viel Kreativität gefragt. Mich reizt aber auch die Größenordnung. Schließlich tauchen unsere Farbkreationen zu Tausenden im Straßenverkehr auf. Das finde ich wahnsinnig faszinierend.

Was tust Du im Bereich Colour & Trim?
GT Concept: Vom Sketch zur Studie
In meiner Abteilung arbeiten 14 Leute, davon 13 Damen, mich eingeschlossen. Wir sind für alles verantwortlich, was man sehen und anfassen kann. Wir dekorieren die Flächen, die wir von den Interior- und Exterior-Designern bekommen mit den entsprechenden Plastikverkleidungen, mit Leder und Stoffen. Aber wir sind auch zuständig für die Karosseriefarben und die Felgenlackierung. Wir arbeiten mit vielen Bereichen zusammen, beispielsweise dem Marketing und Einkauf, aber auch mit den Ingenieuren.

Wie kommt Ihr zu Euren Entwürfen?
Anregungen holen wir uns beispielsweise aus der Mode-, Textil- und Möbelindustrie, ebenso aus der Architektur und der Fotografie. Es kann eine Reise sein, die inspiriert. Einflüsse gibt’s überall. Insbesondere als Designer beobachtet man rund um die Uhr. Dabei versuchen wir, ein Gespür für den Zeitgeist zu entwickeln, daraus Erkenntnisse zu ziehen und dies in eine Farbwelt zu überführen.

Opel GT Concept Inspiration Opel GT Concept Inspiration

Wie war die Arbeit am GT Concept?
Opel GT Concept InteriorMit dem GT Concept haben wir bewiesen, wie aufregend und emotional die Marke Opel ist. Eine Herausforderung waren die Sitze. Die sollten passen wie Maßanzüge. In Sachen Materialauswahl für die Bezüge haben wir uns von Sportartikelherstellern inspirieren lassen. Laufschuhe werden immer leichter und innovativer in der Fertigung. Von diesen speziellen Produktions- und Webtechniken haben wir uns inspirieren lassen. So vermittelt das Interieur des GT Concept Leichtigkeit und technische Präzision in der Formensprache. Zusammen mit den Farben entsteht so ein perfektes Raumgefühl.

Spielen gesellschaftliche Entwicklungen eine Rolle?
Absolut. Gerade bei der Farbwahl, sowohl im Interior- wie auch im Exterior-Bereich, geht es in erster Linie um die Vorlieben der potenziellen Käufer. Derzeit herrscht ein klarer Individualisierungstrend. Dem werden wir insbesondere mit den unzähligen Personalisierungsmöglichkeiten des ADAM gerecht. So bestimmen nicht mehr nur wir das Design. Nein, jeder Kunde kann nach eigenem Geschmack mitmischen.

Gibt es Unterschiede zwischen Frauen und Männern?
Ja. Ich glaube, Frauen haben einfach mehr Mut zu ausgefallenen Farbtönen und -kombinationen.

Wie sähe der von Dir konfigurierte ADAM aus?
OpelADAM_Belinda-GuentherIch würde mir derzeit die Stars’n Stripes Edition aussuchen. Außen würde ich das auffällige Marangu-Grün mit weißem Dach sowie Sternensticker auf Rückspiegelkappen und Dach kombinieren. 🙂 Dazu würde ich mir die Logobar in Hochglanzschwarz konfigurieren und anthrazitfarbene Twister 18-Zoll-Leichtmetallräder mit schwarzen Clips bestellen.

Welche ist Deine aktuelle Lieblings-Lackfarbe?
Smaragdgrün – hat mehrere Gesichter und sieht super aus auf jedem Bodystyle.

Was war bisher Deine größte Herausforderung?
Opel Chief Designer Creative Design Belinda Günther
Eigentlich erlebe ich jeden Tag persönliche Herausforderungen. Zum Beispiel muss ich mit viel Geduld ein Gleichgewicht zwischen meinem Designerherz und der notwendigen Sachlichkeit finden, um mein Produkt zu verkaufen. Es gilt, Dinge nicht persönlich zu nehmen und die eigene Eitelkeit hintanzustellen. Das ist nicht immer leicht, aber notwendig, um in einem großen Unternehmen arbeiten zu können.

Verbrauchs- und Emissionswerte: Weitere Informationen können dem ‚Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch und die CO2-Emissionen neuer Personenkraftwagenʻ entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der DAT Deutsche Automobil Treuhand GmbH unentgeltlich erhältlich ist.