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Ampera-e Grandland X Unternehmen

26. Aachener Kolloquium: Antrieb für die Zukunft

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Aachener Kolloquium: Christian Müller

Es geht um nicht weniger als die Zukunft des automobilen Antriebs. Das Interesse der Automobil- und Zuliefererindustrie, sich jährlich Anfang Oktober in Aachen zu treffen, um beim dortigen Kolloquium über Fahrzeug- und Motorentechnik zu diskutieren, ist hoch. Zu Ausgabe 26 des größten europäischen Kongress in diesem Bereich werden wieder über 1800 Gäste erwartet. Wenn man über die Zukunft des Autos redet, darf das Thema Elektrifizierung nicht fehlen. Interessanterweise wurde Aachen erst letzten Monat Teil der regen Debatte um Elektromobilität. Das TV-Team des VOX-Automagazins auto mobil wollte es wissen und lotste unseren Ampera-e mit nur einer Batterieladung 750 Kilometer von der östlichsten zur westlichsten Stadt Deutschlands, also von Görlitz nach Aachen. 

Im Rahmen des 26. Aachener Kolloquium gibt Opel-Entwicklungschef Christian Müller technische Einblicke in die Entwicklung unseres Reichweiten-Champions und einen Ausblick auf die Zukunft. 

Herr Müller, letztes Jahr sind Sie mit Dan Nicholson vom Amsterdamer Flughafen zum Kolloquium gefahren und haben einen ersten Ausblick auf die Revolution der Elektromobilität gegeben. Was war entwicklungsseitig nötig, um den Ampera-e auf die Straße zu bringen? 

Aachener Kolloquium: Christian Müller

Wir haben nicht einfach ein bestehendes Auto genommen und einen Elektromotor eingebaut. Wir haben ein Auto von Grund auf neu entwickelt – und rund um die Batterie konstruiert. So erzielen wir maximale Reichweite, optimiertes Gewicht und ein hervorragendes Platzangebot. Das Format der Zellen ermöglicht es, die nickelreiche Lithium-Ionen-Batterie in Unterflurbauweise unter dem Fahrzeug anzubringen. Der Batterie-Pack wiegt 430 kg, besteht aus 288 Lithium-Ionen-Zellen unterteilt in 96 Gruppen mit 3 Zellen pro Gruppe und ist wichtiger Teil der Fahrzeugstruktur. Das Batteriekonzept trägt nicht nur maßgeblich zur Stabilität des Fahrzeugs bei, sondern ermöglicht es auch, das Fahrzeug in seinen äußeren Maßen kompakt zu gestalten und gleichzeitig einen großen Innenraum zu schaffen. Der Ampera-e bietet Platz für fünf Passagiere und einen Kofferraum mit dem Fassungsvermögen eines ausgewachsenen Kompaktklasse-Fünftürers. Neben der Reichweite macht das den Ampera-e zum voll alltagstauglichen Elektroauto – Fahrspaß garantiert!

Was erwartet denn der Kunde eigentlich von einem E-Auto?

Aachener Kolloquium: Opel Ampera-e

Reichweite ist die entscheidende Größe. Unsere internen Studien haben gezeigt: Kunden ohne Erfahrung mit einem Elektrofahrzeug stellen deutlich höhere Ansprüche an die Reichweite eines EV als Kunden, die bereits ein EV nutzen. Reichweiten-Angst ist also teilweise auch irrational begründet. Fährt ein Kunde erst einmal ein Elektrofahrzeug, stellt er schnell fest, was seine tatsächlichen Reichweiten-Bedürfnisse sind. Um ihn aber erst einmal zum EV-Fahrer zu machen, ist ein deutlich höheres Reichweitenversprechen notwendig, um die gleiche Akzeptanz zu erreichen.

Im Durchschnitt werden unsere dieselbetriebenen Fahrzeuge in Deutschland etwa 90 km pro Tag, die Benziner ca. 68 km pro Tag bewegt. Es liegen also zwischen Erwartung an Elektroautos und tatsächlicher Nutzung deutliche Diskrepanzen vor. Unsere Kundenumfrage in Nordamerika hat gezeigt, dass sich 70% der Befragten bei einer elektrischen Reichweite von rund 320 Kilometer vorstellen können, ihr konventionelles Fahrzeug durch ein reines Elektrofahrzeug zu ersetzen, bei 400 Kilometern sogar schon 87%. Deshalb bieten wir mit dem Ampera-e eine beeindruckende Reichweite von 520 km nach dem Neuen Europäischen Fahrzyklus an.

Aachener Kolloquium: Opel Ampera-e

Hinzu kommt: Durch die Daten aus mittlerweile 5 Jahren Ampera-Felderfahrung sind wir in der Lage, sehr gut abzuschätzen, wie sich die Batterie über die Lebenszeit des Fahrzeugs entwickeln wird. Unsere Erfahrungen aus über 100.000 verkauften EV-Fahrzeugen in den letzten Jahren ermöglichen es uns, eine Garantie über 8 Jahre und 160.000km auszusprechen.

Auch die Medien sind begeistert. In der ADAC Motorwelt kamen die Testingenieure des Automobilklubs zu dem Ergebnis, dass eine volle Batterie im strengen, realitätsnahen Testverfahren des ADAC 340 Kilometer Reichweite bringt. Bei ruhiger und vorausschauender Fahrweise, möglichst unter 120 km/h, sind um die 400 Kilometer möglich. Mehr Strecke bewältigt nur ein deutlich teureres Modell von Tesla.

Wie konnten die VOX-Tester mit einer Ladung 750 Kilometer quer durch Deutschland fahren?

Aachener Kolloquium: Opel Ampera-e

Wir hatten bei dieser Fahrt natürlich unsere Messelektronik mit an Bord. Das VOX Team fuhr mit einer relativ konstanten Reisegeschwindigkeit, zumeist zwischen 40 bis 50 km/h. Dabei nutzen sie konsequent die Bremsenergierückgewinnung des Ampera-e und luden im Schiebebetrieb mittels Rekuperation die Batterien nach. Am Ende zeigte der Streckenmesser exakt 754,9 gefahrene Kilometer. Mit einer einzigen Batterieladung! Dieses Fahrverhalten hat dann schon mehr mit Hypermiling zu tun und liegt im oberen Bereich der Reichweiten-Effizienz, aber es zeigt, was mit einem Elektroauto möglich ist.

Aachener Kolloquium: Opel Ampera-e

Wechselt der Fahrer vom Schiebebetrieb in den „Low“-Modus, steigt die Bremswirkung des Motors und damit die Rekuperation sogar weiter. In einer dritten Stufe kann zusätzlich mit einer Wippe am Lenkrad manuell auf volle Energierückgewinnung geschaltet werden („Regeneration on Demand“). In beiden Modi ist das Schleppmoment so hoch, dass im normalen Verkehr nicht einmal mehr auf die Bremse getippt werden muss, um die Geschwindigkeit bis zum Stillstand des Fahrzeugs abzubauen. Besonders im dichten Stadtverkehr mit vielen Stop-and-Go-Phasen kann der Fahrer sowohl die Reichweite als auch dem Komfort mit diesem „One Pedal Driving“ maximieren.

Wie geht es mit der Elektromobilität bei Opel weiter?

Aachener Kolloquium: Christian Müller

Elektromobilität wird auch künftig eine wichtige Rolle bei Opel spielen. Diesen Weg werden wir konsequent weitergehen. Auf der IAA hat Opel-Chef Michael Lohscheller im Rahmen der Weltpremiere unseres neuen Grandland X angekündigt, dass unser neuer Kompakt SUV der erste Opel mit Plug-In-Hybrid sein wird – ein Beleg und das nächste große Beispiel dafür, welche Chancen für Opel im PSA-Konzernverbund liegen. PSA treibt die Elektrifizierung sehr engagiert voran. Bis 2023 werden 80 Prozent der PSA-Modelle elektrifiziert sein. Opel wird bei der Elektrifizierung die gemeinsamen Konzern-Technologien nutzen und engagiert mitentwickeln.

Wie werden sich die Anforderungen an die Automobilhersteller wandeln?

Opel Ampera-eEine ganze Reihe von gesellschaftlichen und technischen Trends und Rahmenbedingungen sorgt dafür, dass sich die Anforderungen an die Automobilhersteller wandeln. Das sind zum Beispiel gesellschaftliche und soziale Trends wie die zunehmende Urbanisierung. Dies begünstigt neue Mobilitätsangebote wie das Car Sharing und auch die Elektromobilität. Die gesetzlichen Anforderungen und Emissionsgrenzwerte werden kontinuierlich verschärft. Europa nimmt dabei eine Vorreiterrolle ein. Jungen Menschen ist heute nicht mehr die PS-Zahl des Fahrzeugs so wichtig, sie legen vielmehr Wert darauf, jederzeit „Connected“ zu sein. Gleichzeitig ist der Besitz eines Autos für sie, gerade in Großstädten, weniger wichtig. Sie wollen vor allem mobil sein. Ein weiterer Mega-Trend ist die alternde Bevölkerung, vor allem in den westlichen Industrienationen. Aus dem Zusammenwirken dieser und vieler weiterer Einflussfaktoren ergeben sich die großen Trends, die die Automobilindustrie in den kommenden Jahren bestimmen werden. Eine Abkürzung hat sich dafür etabliert: CASE – Konnektivität, Automatisiertes Fahren, Sharing und Elektromobilität. Opel hat bereits erste wichtige Schritte unternommen, um die automobile Zukunft erfolgreich gestalten zu können. Ich bin überzeugt, dass auch in Zukunft, gleich ob in 20 oder in 50 Jahren, noch Autos mit dem Blitz auf unseren Straßen fahren werden.