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Combo Gastbeitrag Test

Combo-Sitzprobe – Nummer 5 spielt den Allrounder

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Er ist ein Allrounder und das seit 1986. Freilich nicht ein und derselbe, wenngleich die Combo-Generationen nach Pkw-Maßstäben schon recht lange laufen. Nummer 5 – der Combo Life – macht sich gerade warm und hat mit seinen Vorgängern kaum mehr etwas gemein. Weder außen noch innen und schon gar nicht untendrunter.

Opel Combo: Sitzprobe in der OPEL ARENAZur Sitzprobe in unserem neuen Universaltalent luden wir die Medien in die OPEL ARENA nach Mainz ein – die passende Bühne für das XXL-Raumschiff. Mit von der Partie: Michael – seit dem Kindergarten „Blumi“ genannt – mit dem ich bis 2017 in Rüsselsheim arbeitete. Mehr als sechs Jahre war er dort, bevor es den gelernten Automechaniker nach München zog. Nein, nicht der Stadt wegen (Frankfurter Bubb), auch nicht aufgrund plötzlicher Marken-Desorientierung. Im Gegenteil: Seine Liebe zum Blitz sitzt tief, aber die zu seiner Frau eben noch tiefer. Nun schreibt er für diverse Fachmedien und blickt für uns auf die statische Premiere des neuen Combo zurück:

Es ist nicht nur das erste Mal, dass ich im Opel-Blog schreibe, es war auch mein erster Besuch in der Mainzer OPEL ARENA. Fußball ist nicht so wirklich mein Thema. Aber habt Ihr gewusst, dass die Arena 54 Millionen Euro gekostet hat und rund 20 weitere Millionen für die Infrastruktur und die Erbpachtzahlung an das Bistum Mainz hinzukamen? Viel Geld? Nein, schließlich haben die Bayern rund 54 Millionen Euro allein für die Tiefgarage ausgegeben – kein Witz. In Mainz ist für exakt 34.034 Besucher Platz. Die OPEL ARENA ist ausschließlich für Fußball gemacht. Keine Konzerte, keine anderen Sportveranstaltungen finden hier statt. Monothematisch, sozusagen.

Opel Combo: Sitzprobe in der OPEL ARENAGanz anders ist da der neue Combo Life aufgestellt – mein eigentliches Highlight an diesem Tag. Er fungiert im Opel-Portfolio als bezahlbarer Allrounder. Und dass er fast alles kann, leuchtet beim ersten Blick ein. Sein Aussehen verdankt er unter anderem dem Designer Ulli Hochmuth. Ulli ist Opel-Urgestein (seit 1984 im Unternehmen) und kennt alle Combo-Varianten in- und auswendig. Generation A startete 1986 und basierte auf dem Kadett E. Nummer zwei und drei waren Mutationen des Corsa B und Corsa C. Und allen hat man angesehen, dass die Basis nicht dafür gemacht war – ein Allrounder zu sein. „Die Combos waren bis dahin nachträgliche Umbauten. Zu sehen an den Proportionen und manchmal auch an der Dichtmasse am Dachaufbau“, sagt er und grinst. Dass der Combo C – meiner Meinung nach – einer der zeitlosesten seiner Zunft ist, müsste dann wohl einfach so passiert sein. Oder sehe nur ich das so? Der Combo C (2001-2011) scheint für mich nicht zu altern.

2011 folgte das Kooperationsmodell mit Fiat, das nun seinen Zenit erreicht hat und Platz für Combo Nummer 5 macht. An dem arbeiten die Opelaner mit den PSA-Kollegen bereits seit 2012 zusammen. Crossland X, Grandland X und eben Combo E heißen die gemeinsamen Babys.

Der neue Combo kann beeindrucken, rein optisch zeitlos. Nicht zu viel Schminke, nicht zu wenig Pepp, sauber differenziert von den Konzernbrüdern – zumindest im Gesicht. Er ist freundlich, zurückhaltend und verzichtet auf Aggressivität, die es im Straßenverkehr leider zuhauf gibt. Das Combo-Design ist nicht verspielt, keine Linie zu viel, aber auch keine zu wenig.

An der Flanke fallen die Proportionen auf. „One Box Design“ nennt es Ulli. Stimmig nenne ich es. Die Gürtellinie lässt Spielraum für ein paar Sicken und Verbreiterungen. Große Schienbeinschoner schützen die Seiten, wichtig bei offensiven Allroundern. Der Combo Life will und muss auch angreifen können. Und die Gene sind dafür gemacht. Denn PSA hat europaweit aktuell bereits einen Segment-Marktanteil von rund 30 Prozent und ist Spitzenreiter. Das kommt nicht von ungefähr. Die Franzosen wissen, worauf es ankommt. Kombiniert mit dem Knowhow aus Rüsselsheim ergibt das den vielleicht besten B-Segment-Van.

Opel Combo: Sitzprobe in der OPEL ARENAFakt ist: In dieser Klasse hat sonst keiner eine 8-Stufen-Automatik oder ein Head-Up-Display. Auch das beheizbare Lenkrad oder das Panorama-Dach mit dem genialen Staufach in der Mitte inklusive „fancy“ LED-Illumination sind top. Warum das alles? Weil der im nordwest-spanischen Vigo produzierte Combo zuerst als Passagier-Version auf den Markt kommt. Und die soll nicht nur Familien glücklich machen, sondern auch Freunde des Sports und Taxiunternehmer oder einfach Menschen mit erhöhtem Platzbedarf. All die können wählen, ob sie den 4,40 oder 4,75 Meter langen Combo wollen, ob sie fünf oder sieben Sitze drin haben möchten, eine oder zwei Schiebetüren, Schwing-Heckklappe oder Flügeltüren. 597 Liter passen in den kurzen Fünfsitzer, auch L1 genannt. 850 Liter sind es beim L2, jeweils bis zur Rückenlehne beladen. Nach oben geht noch mehr. Maximal schluckt er 2.693 Liter – das ist dann der Umzug-Modus.

Die Abmessungen lassen es erahnen: Selbst Menschen mit Gardemaß über 1,90 Meter haben rundum ausreichend Platz. Die Frontsitze sind äußerst komfortabel – allerdings kein AGR. Das lässt sich wohl nicht mit der Funktion verbinden, die eine Innenraum-Ladelänge von 2,70 Metern beim L1 und sogar 3,05 Meter beim L2 ermöglicht. Der Beifahrersitz ist nämlich klappbar. Viel klappen tut auch sonst im stilvoll eingerichteten Innenraum, der 28 Ablagen bietet – über Kopf inklusive. Zwei große Handschuhfächer, das obere mit zusätzlichem USB-Port und Klimaanlagen-Ausströmer bringen locker die zwölf Jahresausgaben von „11 Freunde unter. Der Beifahrer-Airbag wanderte dafür in den Dachhimmel, vor die Sonnenblende.

Ein breiter Mitteltunnel beherbergt weitere Ablagen und, sehr schön: keine Schalter. Alles sieht sehr aufgeräumt aus. Wenngleich die hier gezeigten Modelle von Hand zusammengedengelt wurden – Bestellstart ist voraussichtlich im Juni – kann man bereits sehen, dass der Neue nichts mehr mit den Combo-Generationen zuvor zu tun hat. Alles ist feiner und würde sogar in der Mittelklasse einen guten Eindruck machen. Der Schalthebel ist hoch positioniert, ebenso wie der Acht-Zoll-Monitor (selbstverständlich mit Android Auto und Apple CarPlay und Rückfahrkamera und …). Das Lenkrad und die Lenkstockhebel kennen wir seit 2015 aus dem Astra. Die dahinter liegenden Instrumente sind klassisch, ohne Schnickschnack und astrein ablesbar.

Als Fahrer fühlt man sich im Combo Life gut integriert und freut sich, dass es auch in dieser Klasse das Head-Up-Display gibt. Inklusive Infos, die auch im Kombiinstrument angezeigt werden – Kopfsenken und Augen neu fokussieren ist somit überflüssig. Das ist übrigens das Lieblings-Detail von Chef-Entwickler Uwe Winter. Seit 2012, also von Beginn an, hat er mit dem Combo E zu tun und war überrascht, „wie deckungsgleich die Erwartungen der drei Marken ausfielen“. Deshalb war man sich „schnell handelseinig“ und ist mit dem Ergebnis überaus zufrieden. Wohl auch in Frankreich.

Opel Combo: Sitzprobe in der OPEL ARENASolche Details wie drei Einzelsitze in Reihe zwei sind nicht nur in Deutschland gefragt. Die identisch geformten Sessel ermöglichen kinderreichen Familien nämlich, drei Isofix-Sitze nebeneinander zu befestigen. Wer keine Kinder oder andere Mitfahrer hat, kann diese Sitze einzeln flachlegen was eine fast ebene Ladefläche ergibt – für Fahrräder, ein Getränkekisten-Ensemble oder eine Vespa. Zwei nützliche Gimmicks befinden sich ganz hinten am und im Combo Life: Zum einen die Scheibe in der Heckklappe, die sich separat öffnen lässt. Wer’s nicht kennt, wird’s nicht missen. Wer’s kennt, will’s nicht missen. Nur der Taster der Öffnung sitzt – meiner Meinung nach – zu tief in der Griffleiste. Der gehört oben hin, an die Scheibe. Zum zweiten die Staubox im Dachhimmel, superpraktisch für Hundeleine, Mütze, Schuhe, kleine Einkäufe, Taschenlampe undsoweiter undsoweiter.

Superpraktisch ist auch die neue 8-Stufen-Automatik, die beim 1.2 Turbo mit 130 PS (230 Newtonmeter Drehmoment) stets an Bord sein wird und als Option beim 1.5 CDTI mit identischen 130 PS (300 Nm). Sie ist aus dem Grandland X bekannt und nicht nur ideal fürs Taxigewerbe. Auch Otto Normalverbraucher dürfte sich an niedrigen Motordrehzahlen dank passender Spreizung erfreuen. Und wer will, kann per Schaltwippen dirigieren. Ein unnützes Gimmick, wie einige sagen. Dann fragt mal Gespannfahrer. Die freuen sich, auf diese Art komfortabel die Motorbremse nutzen zu können. Apropos Anhänger: 1.500 Kilogramm dürfen an den Haken des Combo – Topwert in der Klasse und natürlich mit Anhänger-Stabilitätsprogramm.

Unterhalb der beiden stärksten Varianten gibt es einen 100-PS-Diesel (250 Newtonmeter) und eine 75-PS-Version (201 Nm). Als Benziner-Option steht der 1.2 Direct Injection Turbo mit 110 PS parat, der seine 206 Newtonmeter auf sechs manuelle Gänge verteilt. Und alle, egal ob Selbstzünder oder Otto, sind bereits Euro-6d-TEMP-sauber und haben einen Partikelfilter.

Verbrauchsangaben gibt es aktuell ebenso wenig wie Preise. Dafür ist es zu früh. Bereits bekannt sind die 19 Assistenzsysteme. Zu viele, um alle vorzustellen. Ab Werk sind immer die Fußgängererkennung, der Notbrems- und der Spurhalteassistent dabei. Der Flank Guard hilft auf Wunsch, eingedrückte Schweller beim Rangieren zu vermeiden. Ist der an Bord, lenkt der Combo auch alleine ins Tor – pardon: in die Parklücke. Mit dem Abstandstempomat ACC – bislang auch keineswegs eine Selbstverständlichkeit in der Klasse – klebt der Combo Life am Heck des vorausfahrenden Autos wie der Manndecker am Stürmer. Nur dass der Combo auch bei flotten Dribbel-Tricks zuverlässig reagiert.

Opel Combo: Sitzprobe in der OPEL ARENAVollgepumpt mit Infos und Eindrücken zogen die zirka 50 Journalisten gegen 15 Uhr aus der OPEL ARENA. Die Resonanz auf den neuen Combo Life war meist sehr positiv und spiegelt in vielen Fällen auch das wider, was ich hier zum Besten gegeben habe. Nun wird es spannend, ob der neue Combo im Einsatz das halten kann, was er bei der Spielervorstellung in Aussicht stellt. Die Voraussetzungen stimmen und die französisch-deutsche Melange dürfte der Favorit für alle werden, die mit ihrem Auto alles können wollen. Solch einen Spieler gibt’s wohl nicht. Oder doch? Wie gesagt: Von Fußball habe ich keine Ahnung.

Weitere Informationen können dem ‚Leitfaden über den Kraftstoffverbrauch und die CO2-Emissionen neuer Personenkraftwagenʻ entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der DAT Deutsche Automobil Treuhand GmbH unentgeltlich erhältlich ist.